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Feedback jeder Art Im Licht der Intuition

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  • Mohamed Gharbi
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O du süßer Moment, der kein Wort je berührte,
Ein Flammenhauch aus unsichtbarer Glut,
Emporgewoben aus urfernen Gründen,
Wo das Schweigen das Denken umarmt wie ein Lied.

Du schwebst an der Schwelle der Schattenverästelung,
Wo Zeit sich beugt und das Licht sich verneigt,
Ein Leuchten, das aus dem Ursprung rinnt,
Unerreichbar, doch nah wie ein Blick in das Innere.

Ein Spiegel des Geistes, mit Träumen beschlagen,
Ein Wispern von Weisheit im Dunkel gesät,
Wie Wasser, das lautlos in Sterne verrinnt
Und im Grund jener Seele die Tiefe erspürt.

Verlorene wandeln auf gläsernen Wegen,
Ihr Atem beschwert von den Schleiern der Welt.
Doch wo sich ein Funke aus Innigkeit löst,
Dort wächst aus dem Schweigen ein leuchtender Pfad.

Wie Morgengold, das durch Grenzen rinnt,
Entfaltet sich leise das Unnennbare selbst –
In Geweben aus Ahnung, aus Sehnsucht und Sein,
Ein Same, genährt von der Wunde der Stille.

Ein Lied steigt auf, das kein Ohr je vernimmt,
Ein Tönen im Herzen, das Himmel erschafft,
Ein Rauschen, das Bäume zu Betern macht
Und den Wind mit den Namen des Ewigen füllt.

Wir lauschen der Stille, die ewig uns ruft,
Ein Klingen, geboren am Rand des Vergehens,
Ein Stern, der den Wanderer wortlos berührt,
Während die Nacht sich im Schweigen verliert.

Führ uns, o Licht, in die Schwelle des Jetzt,
Wo der Augenblick stirbt in das Ewige Sein,
Wo das Werden zu Wurzeln der Wahrheit gerinnt
Und das Herz sich im Herz aller Dinge erkennt.

Und mögen wir sinken in jenes Gefäß,
Das formlos die Formen in Liebe durchglüht,
Ein Hauch in der Mitte des atmenden Alls,
Ein Heim in dem Einen, der ewig geschieht.
 
@Mohamed Gharbi


Moin.


Sehr schwer, dein Gedicht.
Die Fantasie ist viel und reich.

Ein Same, genährt von der Wunde der Stille.
für mich nicht ganz überzeugend, aber:
Ein Same, genährt von dem Blute der Stille

leuchtet mir besser ein.

Die Metrik ist hier frei von Gesetzen. Ich habe zwar anfangs ein Muster erkannt, aber später wieder verworfen.


Aber wie gesagt, deine Metaphern sind außergewöhnlich. Deshalb meine Anerkennung.

Tschüss.
 
Danke für Dein Feedback. Hier eine Auslegung der Strophe:

1. „Wie Morgengold, das durch Grenzen rinnt“
  • „Morgengold“ steht für das erste Licht des Tages, also für Hoffnung, Erkenntnis, Erwachen, vielleicht auch Gnade oder einen geistigen Neubeginn.
  • „das durch Grenzen rinnt“ – Licht kennt keine festen Grenzen; es durchdringt Trennung, fließt über Schranken hinweg.
    → Metapher für geistige oder seelische Durchlässigkeit: Erkenntnis oder Wahrheit fließt in das Bewusstsein ein, auch wenn es scheinbare Barrieren gibt (z. B. zwischen Ich und Welt, Denken und Fühlen, Sichtbarem und Unsichtbarem).
Bedeutung:

Etwas Göttliches oder Lichtvolles durchdringt die Begrenztheit des Menschlichen – sanft und unaufhaltsam.

2. „Entfaltet sich leise das Unnennbare selbst –“
  • „das Unnennbare“ ist das, was sich nicht in Worte fassen lässt – Gott, das Absolute, das reine Sein, Intuition oder ein transzendenter Moment.
  • „entfaltet sich leise“ – ein stiller, innerer Prozess. Keine Explosion, kein Zwang – sondern eine subtile Offenbarung.

Bedeutung:

Das Unaussprechliche tritt ins Bewusstsein – nicht mit Gewalt, sondern in Stille, im Innern, fast unmerklich.

3. „In Geweben aus Ahnung, aus Sehnsucht und Sein“
  • „Gewebe“ suggeriert etwas Zartes, Komplexes – ineinander verwoben wie feine Fäden.
  • „Ahnung, Sehnsucht und Sein“ sind drei Ebenen des inneren Erlebens:
    • Ahnung = Vorahnung einer höheren Wahrheit.
    • Sehnsucht = das innerliche Streben danach.
    • Sein = die Existenz selbst, der Ursprung.

Bedeutung:

Das Unnennbare ist eingebettet in die Strukturen unserer inneren Welt, gewebt aus tiefen Gefühlen und geistigem Spüren.

4. „Ein Same, genährt von der Wunde der Stille.“
  • „Ein Same“ steht für Möglichkeit, Potenzial, neues Leben – etwas, das aus dem Unsichtbaren erwachsen kann.
  • „genährt von der Wunde der Stille“ – hier wird Stille nicht als neutral oder friedlich dargestellt, sondern als verletzlich, als tiefer, existenzieller Raum, in dem etwas heilig Schmerzhaftes liegt.
    • Die „Wunde“ steht für Offenheit, Empfänglichkeit, vielleicht auch für spirituelles Leid oder das Loslassen des Ich.
    • Die Stille wird zur nährenden Tiefe, aus der das Neue wächst.
Bedeutung:

Wahre Erkenntnis oder Transformation entsteht nicht aus Lärm oder Kontrolle, sondern aus innerer Verletzlichkeit, aus der Tiefe des Schweigens.

Gesamtauslegung:

Diese Strophe beschreibt in verdichteter Form einen inneren Transformationsprozess, in dem sich das Unaussprechliche im Menschen entfaltet – nicht durch äußere Kräfte, sondern durch Ahnung, Sehnsucht, Stille und Offenheit. Es ist eine poetische Darstellung spirituellen Erwachens, das aus der Tiefe der Seele erwächst.

PS: In diesem Gedicht verwende ich ein freies Versmaß, dennoch ist ein Rhythmus erkennbar.
 
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