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Feedback jeder Art „Können wir die lateinische Sprache verwenden?”

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  • Egon Biechl
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(Verzeiht bitte. Diesmal die Geschichte mit Ton.)
 
     Ich höre dem freundlichen italienischen Geplauder zu, fühle mich aber irgendwie ausgeschlossen, nachdem auch die Spanier außer ihrer Muttersprache untereinander nur ein etwas verformtes Italienisch sprechen. Auch hinter dem englisch sprechenden Kanadier kann ich mich nicht immer schamhaft verstecken, und Deutsch kann niemand. Demgemäß stellen Gespräche mit meinen Studienkollegen nicht nur mich, sondern auch sie vor eine Herausforderung. Da wende ich mich an einen meiner italienischen Mitstudenten und frage ihn ergeben: „Linguam Latinam adhibere possumus?” („Können wir die lateinische Sprache verwenden?”) Unerwartet sind alle gleich bereit, auf diese Möglichkeit der gegenseitigen Kommunikation einzugehen. So wird alles spielerisch und viel leichter. Ich bin richtiggehend froh.
     Abgesehen von diesem Problem, das damit gelöst zu sein scheint, gibt es unweigerlich das Thema, wie ich rasch genug Italienisch lernen kann. Ich lerne zwar    fleißig aus meinem Deutsch-Italienisch-Lehrbuch italienische Vokabeln samt deren Aussprache; bei den Deklinationen und Konjugationen hingegen und vor    allem bei den typischen italienischen Redewendungen verlasse ich mich voll auf meine Confratres oder Mitbrüder, die mich auch bereitwillig – einmal der,    einmal jener – unterstützen.
     Was zwar kein Problem darstellt, aber ein Phänomen, das mit meiner Umsiedlung aus Österreich nach Italien zu tun hat, ist die Änderung meines Namens von Frater Clemens Maria auf Fra Clemente Maria, was in meinen Ohren doch etwas anders klingt. Der neue Name Fra Clemente weist mich ja als Italiener aus, der ich nicht bin. Wie  lange wird es dauern, bis ich als solcher durchgehen kann, wenn ich meinen Mund aufmache? Wann wird mein Latino-Italo-Eiertanz zwischen den Fremdsprachen Latein und Italienisch beendet sein?
     Bei den gemeinsamen Mahlzeiten im Refektorium gilt nicht nur die unhinterfragte Gepflogenheit, dass man ein Viertel Rotwein vorfindet, sondern auch die, dass einer von uns jungen Fratres die bereits erwähnte Tischlesung in Italienisch hält, was alle Übrigen zum Schweigen verpflichtet. Ich, Ausländer, bin genauso wie die  bereits geweihten Priester von dieser Pflicht entbunden, will aber nicht aus der Gemeinschaft ausgeschlossen sein.
     Also biete ich sehr bald an, angespornt durch die Animation des Pater Prior, eine solche Lesung zu  halten, es zumindest zu versuchen.
Im Großen und Ganzen funktioniert es, nur ab und zu verursache ich mit meiner falschen Aussprache von italienischen Wörtern ein Schmunzeln und Kichern bei meinen Zuhörern. Auch so kann ich erkennen, wo ich Fehler bei der Aussprache mache. Doch einmal kann sich einer der Lauschenden nicht zurückhalten, sogar in lautes Gelächter auszubrechen, was viele andere dazu animiert, es ihm nachzutun.
     Da das mitten im angeordneten Silentium passiert, amüsiert das unweigerlich auch mich, den Verursacher, und bestärkt mich, mit der Lesung in  Italienisch weiterzumachen, solange es der Pater Prior nicht als gewollte Verletzung der Schweigepflicht ansieht.
Gesprochen von Ina Biechl

Anhang anzeigen Latein_ja.mp4
 
Schön, dass der Humor über die Schweigepflicht obsiegt hat. Ein herzhaftes Lachen macht das Herz weit und öffnet es für die schönen Dinge, die uns Gott beschert, lässt uns seine Prüfungen ein wenig vergessen - zumindest für kleine Momente.
Was gibt es Schöneres als ein solches Kommentar zu erfahren! Danke!
 
Genialst lieber Egon, auch wenn ihr beide sprecht....


 
Ich freu mich, dass es Dir gefällt. Die 'Zweistimmigkeit' hat einen ganz einfachen Grund: Die Aussprache der lateinischen Worte ist nicht die Domäne meiner Frau.
 
  • Egon Biechl
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