Liebe sofakatze,
mit deinem Gedicht sprichst du mir aus der Seele. Ist dieser Tage seltsam, in Thüringen zu leben und zu wissen, dass jeder Dritte, dem man auf der Straße begegnet, eine rechtsextremistische Partei gewählt hat. Und die soll man trotzdem freundlich grüßen. Ein älterer Herr, der hier seit über 40 Jahren sein Haus hat, erzählte mir neulich, dass er erwägt, wegzuziehen, weil er das politische Klima so erdrückend und beängstigend findet. Tatsächlich denken viele darüber nach, mit denen ich so rede, aber das mit dem älteren Herrn ging mir besonders nah.
Aber: Zwei Drittel sind eben auch gegen fremdenfeindliche Hetze und wutgetriebene Kurzsichtigkeit. Man sollte dies vielleicht deutlicher betonen, um denen zu zeigen, wer tatsächlich nicht willkommen ist. Vielleicht bringt das ja doch den ein oder anderen zum Nachdenken. Jedenfalls finde ich es gut, dass du Flagge zeigst und bin dir dafür dankbar, denn wenn dies mehr und mehr tun, wird klar, was wirklich von den Thüringern als Problem empfunden wird - und das sind nicht die 8,3%, sondern die 32,8%.
man sagt, dass dummheit keine grenzen kennt
Dazu fällt mir ein, dass heute im Laden eine Frau sich unüberhörbar darüber echauffierte, dass nun niemand mit der AfD regieren wolle, obwohl sie doch die AfD gewählt habe und ihre Partei die meisten Stimmen bekommen habe. Darüber war sie offensichtlich sehr empört, als hätte man das nicht vorher wissen können.
Meine Hoffnung ist, dass diese Dummheit selbstzerstörerisch auf die AfD wirken kann. Wenn die Empörung größer ist als der IQ, wenn man auf Realitäten wütend wird und nicht in der Lage ist, die einfachsten politischen Zusammenhänge zu verstehen, kann diese Wut und die Empörung auch schnell der AfD entgegenschlagen - dafür braucht es vielleicht noch nicht mal einen Grund - nur ein Gefühl.
Insofern: Dummheit ist zwar gefährlich, aber eben auch für die Dummen selbst.
Vielleicht muss man auch den Leuten deutlicher zu erkennen geben, wie lächerlich man ihre unfundierten Meinungen findet. Wer nicht weiß, wie dumm er wirklich nach außen wirkt, kann vielleicht dadurch wach gerüttelt werden, dass man ihn so sehr beschämt, dass er sich nur noch von sich selbst distanzieren kann.
ich schäme mich für euch und für mein land
und werde niemals mit den wölfen jauln!
Ist schon verrückt. Ich kannte bisher nie das Gefühl, mich schuldig oder beschämt für die Handlungen anderer zu fühlen. Wäre z.B. daher nie auf die Idee gekommen, mich für die Verbrechen des 3. Reiches schuldig zu fühlen, da ich damit ja nichts zu tun habe. Aber am Wahlabend habe ich mich irgendwie schon geschämt. Ich meine, damit wird man ja selbst wohlmöglich noch in eine Schublade gesteckt, in die man nicht gehört, wenn man irgendjemandem verrät, dass man aus Thüringen kommt. Dabei mag ich Thüringen doch eigentlich - ist ja nicht grundlos meine Wahlheimat.
Schöne Verwendung des Wolfs-Symbols übrigens, da Adolf ja auch "edler Wolf" bedeutet.
dann spanne ich querdurch ein buntes band!
Das sollte man wirklich tun. Ist ja z.B. auffällig, dass dort die Ausländerfeindlichkeit besonders ausgeprägt ist, wo der Migrantenanteil sehr gering ist. Klar, ist ja auch einfacher, seine Vorurteile aufrecht zu halten, wenn man sie nicht an der Realität prüfen muss. Wenn die alle im Asylantenheim arbeiten würden, sähen sie die Welt wohl mit anderen Augen. Insofern sollte man vielleicht tatsächlich ein soziales Pflichtjahr einführen und so etwas befördern, damit wenigstens die Jugend ein buntes Deutschland wertzuschätzen lernt (es waren ja in erster Linie junge Menschen und Leute meiner Generation, die braun gewählt haben).
Liebe Grüße
Schmuddi