Stille Nacht 1945
Totenstill, jene Heilige Nacht
nach dem Großen Morden.
Leben, Dorf und Wege im Griff
eisiger Wintermacht.
So fern der Stern von Betlehem.
Vor Fenstern Dolche aus Eis,
Frostblumen auf Scheiben.
Der Kanonenofen raucht.
Träume von Tellern mit Grießbrei.
Wie Hungergefühle vertreiben?
Brot, Brot hätten wir gebraucht.
Zwischen drin das Weihnachtsmärchen.
Ein Engel in die Stube gleitet,
untern Baum Geschenke legt,
reines Kinderglück.
Heute schrill die „Stille Nacht“.
Märkte schwer bewacht.
Was dort noch
außer Glühwein, Plätzchen,
Bier und Bratwurst kaufen?
Vielleicht ein Weihnachtsmärchen
aus der Kinderzeit?
CHRISTMAS
mit Kommerz,
fett und laut.
„Stille Nacht“
ist down and out.