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Das betrunkene Weinglas


Wilde Rose

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Das betrunkene Weinglas

 

Es tat sich ein Weinglas betrinken

die schnöde Welt tat ihm stinken,

so schenkte es randvoll sich ein

vom köstlichen roten Wein.

 

Es gurgelte

und schnurgelte

und schmeckte

und schleckte

und schlürfte den Wein

begierig hinein.

 

Und schon nach diesem einem Glase

trug viel höher es die Nase.

 

So leicht ward das Leben,

es stieg ihm ein Schweben

so göttlich bis unter den Rand,

es kippte sich ein

noch mehr von dem Wein

mit himmelhochjauchzender Hand.

 

Bald spürte es ganz

diesen himmlischen Glanz,

es ward ihm absonderlich heiter,

es tanzte voll Wein

auf gläsernem Bein

und maßlos betrank es sich weiter.

 

Es riss blöde Witze

und warf manche Spitze

und begann sehr bedrohlich zu schwanken,

das Leben war toll

so sternhagelvoll,

drum tat es sich weiter betanken.

 

Es fiel aus der Rolle

und verlor die Kontrolle

und stürzte betrunken vom Schrank,

doch so voller Fusel

hatte es Dusel

und war nur fünf Tage lang krank.

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Hallo Wilde Rose,

ein treffendes Stellvertretergedicht, für so Manchen, der das vermeintliche Glück im Wein sucht.

Mein Lieblingsbild ist die letzte Strophe, denn es heißt ja auch "Betrunkenen und Kindern passiert nichts."

Gern gelesen!

Manfred

PS:

Da ich gerade an einem ähnlichen Text arbeite, stelle ich ihn einfach mal dazu.

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Hallo Wilde Rose,

 

dein Gedicht 'Das betrunkene Weinglas' gefällt mir.

 

Du hast da viele hübsche Details hineingearbeitet. Die 'Hochnäsigkeit', das 'himmelhoch Jauchzend', das 'Weiter-und-immer-weiter-Trinken', die 'blöden Witze' und 'dummen Sprüche' bis hin zum Absturz mit duselweicher Landung. Tja, so ein Weinglas ist halt auch nur ein Mensch.

 

Deine Idee, dem armen Weinglas und nicht etwa seinem Besitzer die Trinkfreudigkeit zu unterstellen gefällt mir.

(Im „Lied vom Rausch“ von Fredl Fesl – einem bajuwarischen Barden – gibt es die Liedzeile:

„mir hams ins Bier an Rausch nei do“. - Daran erinnert mich dein Gedicht bzw. dein Idee gerade.)

 

Wilde Rose, nüchtern betrachtet, ist dir da (wieder einmal) ein sehr hübsches Gedicht gelungen.

 

LG

Berthold

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Hallo Applepie, hallo Berthold,

mein Bestreben ist es, mit meinen Gedichten ein wenig Heiterkeit in die Welt zu bringen. Und es freut mich ungemein wenn es mir gelungen ist, euch mit dem betrunkenen Weinglas zu erfreuen. Düstere und schwierige Sachen gibt es genug im Alltag. Da muss mal ein wenig Blödsinn daher.

 

Liebe Grüße

Wilde Rose

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