Hallo, Lichtsammlerin,
da sapienst doch tatsächlich ein Homo Poeticus durchs Forum. Und zähnt sich antropogen durch die Verse.
:biggrin:
Ganz flüssig zu lesen ist dein Text nicht, mich irritieren immer GROSS geschriebene Wörter, aber das ist meine persönliches Erleben.
kann ich wirklich verstehen. Meine Intention dabei war das 'laute Herumtönen', denn im Internet gelten Großbuchstaben ja als 'Schreien'. Daher meine Entscheidung dafür. Es ist hier ein von mir bewusst gewähltes Stilmittel, das tatsächlich funktioniert, denn es soll ja
nicht gefallen. :classic_wink:
Humor ist tatsächlich sehr gesund und die Welt könnte eine gute Portion mehr davon vertragen, damit wäre allen geholfen. In deinen Versen liegt zugleich eine Gesellschaftskritik, was über Sarkasmus hinaus geht, vielleicht eher Satire ist /emoticons/thumbsup.png
Ja, es ist natürlich Satire - lieben Dank für 'Daumen hoch'. Und da diese von Überspitzung lebt, darf sie ruhig über Sarkasmus hinausgehen. (Ich muss noch die Smileys in meiner Kurt-Tucholsky-Zitate-Signatur ändern, da sie nicht übernommen wurden, was mir hierbei gerade wieder einfällt, ich vergesse es dauernd.)
Zwei Stellen habe ich etwas zu bemängeln..
wenn alles ins Nirwana sinkt ----> Das passt meiner Meinung nach nicht, nicht in dem Kontext. Das Nirwana ist schließlich das Ende der Wiedergeburt, ein "Ort" der auf die Erleuchtung im Leben folgt. Oder vielmehr ein Nicht-Ort. Aber die Welt "sinkt" nicht ins Nirwana, noch passt es zu "Jetzt rottet Mensch so vor sich hin".
Ich würde mich evt. an eine schlichtere Formulierung halten, zum Beispiel:
"wenn alles ins Verderben sinkt"
wenn alles ins Nirwana sinkt ----> Eine Stelle, bei der ich mir selbst nicht so ganz sicher war, ob meine Intention dabei für andere, also für die Leser, erkennbar ist. Hm, vielleicht auch manchmal nicht, wie mir deine Reaktion zeigt. Persönlich bin ich keine 'Vertreterin' der Ansicht, dass Gedichte sich jedem so leicht erschließen müssen, dass Autor/Autorin nichts erklären 'dürfen', aber das ist nur meine individuelle Ansicht, keine Frage. Daher erkläre ich auch, wenn etwas nicht leicht zu erkennen oder zu entschlüsseln ist. In diesem Fall arbeite ich, wie sich auch noch an anderer Stelle zeigt, mit bewusst gewählten Umkehrungen. Was 'steckt' denn 'hinter' dem Begriff 'Nirwana'? Ist ein Ende der Wiedergeburt eine Erlösung, wirklich ein 'Aufstieg'? Oder doch ein 'Sinken', und zwar so tief, wie es nur irgend möglich ist, nämlich in die Nicht-Existenz? Wenn das Leben nicht mehr existiert - der Bezug, den ich wählte, denn hier geht es zwar auch um 'den Menschen', aber eben vor allem um das gesamte Leben auf der Welt.
Was dann wieder eine Verbindung zu
'Jetzt rottet Mensch so vor sich hin.' bildet. Denn hier ist eine moralische Doppelbedeutung von mir gewählt. (Aus)rotten und (ver)rotten. Doppelmoral und Doppel(te, im Sinne von zweifache) Moral.
In meinen Gedichten nutze ich die Möglichkeiten unserer Sprache. Und ich bin mir bewusst, dass meine Gedichte generell selten 'einfach' zu lesen und zu verstehen sind. Aber im Laufe der Jahre fand ich meine persönlich Art zu schreiben. Ich lote aus und 'spiele' mit Sprache, mit den vielschichtigen Möglichkeiten, die sie uns bietet. Das ist meine 'Leidenschaft' geworden. Demnächst, es ist noch nicht ganz fertig, werde ich ein Gedicht einstellen, das durchaus Gesellschaftskritik übt - aber auch nicht offensichtlich. Mal sehen, wie das ankommen wird. Mir wurde schon vor Jahren klar, dass ich mit meiner Art und Weise zu schreiben, eher den 'Geschmack' nur weniger Leser 'treffe'. Dennoch - hier liegt meine Stärke und ich brachte viel Zeit damit zu und habe mir viel 'erarbeitet und er-übt', um das auszubauen.
Außerdem:
dann stirbt er sich noch selber aus, ----> sich selber aussterben.. damit kann ich nicht viel anfangen, man kann sich nicht selbst aussterben. Es gingen andere Formulierungen, etwa:
"dann stirbt er doch noch selber aus" oder "dann merzt er sich noch selber aus" oder auch etwas ganz anderes..
dann stirbt er sich noch selber aus,----> Eine genauso 'lapidar klingende' Formulierung wie das 'Vor-sich-hin-rotten'. Tatsächlich ist selbst das Wort 'selber' bewusst so gewählt, nicht dem Metrum geschuldet, dass hier nicht das 'elegantere' Wort 'selbst' steht. Eine contradictio in adjecto, ein Widerspruch in sich selbst. Was genau das ist, was der Mensch ist. :classic_biggrin:
Lapidar - der Gegensatz zur selbsterklärten Wichtigkeit.
Nirwana - Erlösung durch totale Auslöschung in die Nichtexistenz - ein Widerspruch
Rotten - siehe weiter oben.
Wir Menschen machen uns passend, was uns nicht passt ... ob es denn passt, stimmt oder richtig ist, ist eine andere Frage. :wink:
Ich hoffe du kannst damit etwas anfangen. Ich sapiense nun mal weiter durchs Forum (die Formulierung ist genial!)
Oh ja, wirklich und vielen Dank. Ich bin immer offen für Kritik und immer zur Diskussion bereit. Ich schätze auch deine persönliche Meinung und Interpretation genauso 'hoch' ein wie meine eigene, Übereinstimmung ist da nicht notwendig. Andere Sicht- und Denkweisen sehe ich als Bereicherung, denn je mehr 'Aussicht', desto weiter reicht der Blick und das erweitert den 'geistigen Horizont'. :classic_smile:
Viel Spaß noch beim 'sapiensen' und für das 'genial' ein Extra-Dankeschön! :classic_happy:
LG,
Anonyma
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Hallo, Schmuddelkind,
du hast die Widersprüche, die der anthropozentrischen Weltsicht inneliegen, gut aufgedeckt und ganz salopp durch den Kakao gezogen. Besonders der Widerspruch zwischen dem Anspruch, aufgrund des vermeintlich überlegenen Intellekts ein höheres Wesen zu sein und der Uneinsichtigkeit, dass ebendies unseren Untergang nebst anderen Lebewesen bedeuten könnte, deren Aussterben wir durch unser kurzsichtiges Handeln bewirken. Mir imponiert dabei sehr dein lockeres Spiel mit der Sprache und insbesondere die angesprochene Stelle: "dann stirbt er sich noch selber aus".
wie junge Leute es ausdrücken: *Freu* Das erlebe ich nicht oft, daher freue ich mich so sehr darüber. In der Antwort, die ich Lichtsammlerin gab, erläuterte ich, warum. Es wäre schön, wenn du es dir vielleicht auch noch durchlesen würdest. :classic_happy:
Mir imponiert dabei sehr dein lockeres Spiel mit der Sprache und insbesondere die angesprochene Stelle: "dann stirbt er sich noch selber aus". Daher möchte ich kurz auf Lichtsammlerins Kritik eingehen:
Für mich gibt es kaum etwas 'Schöneres', als eben dieses erwähnte Spiel. Hierin fand ich eine echte Leidenschaft, die mich erfüllt. Wie reich gerade die deutsche Sprache darin ist, erschließt sich erst nach geraumer Zeit der intensiven Beschäftigung damit - was mir hier klar und deutlich sagt, dass das etwas ist, das wir offenbar miteinander gemeinsam haben. :classic_smile:
In meinen Fäden ist jede Art von Aufeinander-Eingehen gerne gesehen - Diskussionskultur geht immer über 'Streit'-Kultur, denn ersteres ist Kultur, Letzeres - nun, ich denke, eher nicht ... :classic_wink:
(Was mich, nicht nur in Hinsicht auf Gedichte, sondern auch im 'Alltag', oft erstaunt, ist der Umgang mit Begriffen im 'Sprachgebrauch'. Ich frage mich immer wieder, warum so viele Menschen nicht 'hinterfragen' oder darüber nachdenken, was ein Begriff, den sie verwenden, eigentlich wirklich aussagt. Seit ich damit begann, mich eben auch mit 'Verwendung' und 'tatsächlicher Bedeutung' auseinanderzusetzen, bin ich nicht selten verblüfft, denn mir war, als ich jünger war, überhaupt nicht klar, dass 'sprachliche Missverständnisse', die oft die Ursache für Streit und Meinungsverschiedenheiten sind, genau da ihre Ursache haben - mehr von etwas, das ich persönlich 'sprachliche Präzision' nennen möchte, könnte da, so denke ich, zumindest teilweise für eine Verbesserung der zwischenmenschlichen Kommunikation sorgen.)
Aber das ist ja gerade das Faszinierende an der Formulierung. Lyrische Sprache muss sich ja zum Glück nicht an die Beschränkungen von Alltagssprache halten. Indem aus einem intransitiven Verb ein reflexives Verb gemacht wurde, wird deutlich, dass das Aussterben der Menschheit kein passives Erleiden natürlicher Selektionsprozesse sein wird, sondern ein selbst herbeigeführter Akt. Man mag die Entwicklungen, die dazu führen, nicht als solche wahrnehmen, mag sie wie zufällige Ereignisse wahrnehmen. Aber es ist für die Zukunft der Menschheit (und des Planeten) ungemein wichtig, dass wir unseren Anteil an Phänomenen wie dem Klimawandel erkennen. Durch die bewusste Entscheidung zum reflexiven Verb wird deutlich, dass wir uns bewusst für eine Alternative entscheiden müssen, jenseits des herkömmlichen Denkens.
Ich möchte ebenfalls auf diese Zeilen eingehen. Ja, bewusste Entscheidungen sind ein Muss. Missionieren ist die falsche Methode, jeder kann aber für sich selbst Entscheidungen treffen, was das eigene Verhalten betrifft. Unabhängig von den Entscheidungen anderer. Oder, wie es meine Großmutter ausdrückte: 'Wenn ganz Schtuargart vom Fernsehturm hopft, no hopf I ned henderher!" (Übersetzung aus dem Schwäbischen: "Wenn ganz Stuttgart vom Fernsehturm springt, springe ich nicht hinterher!" :classic_biggrin: )
Ja, der Klimawandel. Ein 'Schlag'wort. Niemand lässt sich gerne schlagen, hm? Daher - schlechte Wahl. Führt zu verhärteten Fronten - und das sind immer mindestens zwei, die sich gegenüberstehen. Ich habe mich mit beiden 'Ansichten/Seiten' auseinandergesetzt und auch mit seltenen 'Einzelstimmen zwischen den Fronten'. Letzere überzeugten mich. Das Klima auf unserer Erde ist tatsächlich nicht 'fix', es wandelt sich beständig. Ausschlaggebend sind Geschwindigkeit der Veränderung und deren Dauer.
Wir befinden uns in einer Eiszeit, allerdings in einer 'Zwischenperiode', in der es wärmer ist. Mich überzeugte das Argument seitens ein paar vereinzelter Wissenschaftler, die mir die Bedeutung des Golfstroms näherbrachten. Wenn die Erwärmung zu dessen Versiegen führen wird, sieht es folgendermaßen aus: Eine kurze Warmzeit - und eine Beschleunigung, die dafür sorgen wird, dass diese 'Zwischenphase', in der wir aktuell leben, früher zu Ende geht. Mich überzeugt es mehr, wenn mir erklärt wird, dass wir Menschen den Klimawandel nicht 'machen', denn diese 'Macht' haben wir gar nicht. Aber das CO2, das wir verursachen, ist - das 'Zünglein an der Waage'.
Eine Analogie wäre vielleicht eine Lawine. Die beginnt schließlich mit dem sprichwörtlichen, kleinen Steinchen. Das ein anderes Steinchen 'antickt', das losrollt. Dann - zwei Steinchen gegen zwei weitere Steinchen. 1, 2, 4, 8, 16, 32, 64 ... wie in dem chinesischen Märchen mit Schachbrett und Reiskörnern (ich habe nicht mehr das ganze Märchen im Kopf. Es ging darum, dass der Bauer so viel Reis als Bezahlung für die Erledigung einer schweren Aufgabe wollte, wie auf ein Schachbrett geht, wenn mit 1 Reiskorn begonnen und mit jedem weiterem Feld die Zahl der Körner verdoppelt wird.) Der Bauer bekam schließlich das ganze Reich vom Kaiser, da dieser die erforderliche Menge an Reis, die nötig gewesen wäre, nicht aufbringen konnte ...
Herzlichen Dank für deine Gedanken und für deinen Kommentar! :classic_happy:
LG,
Anonyma