hallo,
ich danke euch allen für eure Kommentare und besonders dir, Kügelchen, für deine ausführliche Interpretation.
Was ich beobachtet habe, ist dass du manches genauer und wörtlicher genommen hast, als ich es dachte - aber dennoch halte ich die Interpretation für gelungen und naheliegend, wenn sie auch manchmal ein wenig abweicht... aber ich will mich etwas genauer äußern:
Was die erste Strophe betrifft, so habe ich eigentlich kaum etwas zu ergänzen. Vielleicht noch die Binnenreime: winde, -finde und zünde, die möchte ich noch erwähnen. :mrgreen: Die sollten die Aussage "erfinde Klang" verdeutlichen. Du hast den Spleen, das "Herzblut" und das "Ritual" und die Höllenpforte des Dichters, welche die Art dieser Beschwörung beschreiben sollte. (Der Speen ließ es ja bereits erahnen...) Besonders gefällt mir das Wort "heidnisch" in diesem Zusammenhang, (ich weiß gar nicht, warum, ich mag das Wort).
Die 2. Strophe sollte dann das Geschöpf beschreiben, welches beschworen wird. Ich freue mich sehr, das zwiespaltige Verhältnis zu lesen. Ebenso der spöttische Unterton, es sollte alles ein bisschen Überschwenglich werden. Vers 3 soll maßlos übertreiben, den meinte ich mit "wörtlicher nehmen, als es gedacht war." Er hat keine dringende Bedeutung, er soll lediglich noch etwas ins Detail gehen mit der Beschreibung und den Klimax weiter treiben bis zum "Spöttischen" im Vers 4. Vielleicht ist er einfach übertrieben... ich mag die Assoziation rot-Wüste. :mrgreen:
Die Terzette sollten dann noch weiter gehen. Im Grunde soll sich das gesamte Gedicht zuspitzen, sowohl formal als auch inhaltlich. Unter anderem deshalb ufert das Metrum hier etwas aus, mit dem Höhepunkt zur letzten Zeile, wo auch noch der Reim wegbleibt. Du hast richtig gesagt, dass nun das LI weitergeht und dem Dämon erstmals Befehle erteilt und ihn präsentiert. (Stadt, die Wildnis sollte den gegensatz dazu darstellen, Natur-Stadt) Wie ich auf die Geländer gekommen bin weiß ich selbst nicht, ich mag ds Bild... :mrgreen:
Das LI hat den Dämon beschworen und schenkt ihm Kraft, nutzt ihn für seine Zwecke. Der Dämon sollte also Abhängig vom LI sein und handelt in seinem Namen, aber ist das eine "Abhängigkeit"? (des LI) Eigentlich wollte ich das LI als unnahbare, wenn auch etwas fanatische und auch etwas "machthungrige" Person darstellen, die aber souverän über ihr "Werk" verfügt. Wenn man das anders herausliest, habe ich was falsch gemacht in dieser Angelegenheit.
Das letzte Terzett spitzt sich noch mehr zu, denn den Größenwahnsinn wollte ich vor allem beschreiben. Es war auch so gedacht, dass das LI in seiner Rage die Ideale der anderen vernichten will durch seinem Dämon (Mond und Sterne, das romantische), die schützend über ihnen wachen (Palisadenwacht) Der Zweifel in der letzten Strophe ist allerdings weniger eine Schwäche des LI. Denn es spricht ja gewissermaßen über eine "Belohnung" für den Dämon, das ist also eher arrogant gemeint und verdeutlicht nochmal die Position des LDs als Handlanger, wenn auch als sehr mächtigen. Die Kritik sich selbst gegenüber könnte jedoch auch ein Motiv sein, wenn ich es mir recht überlege, und diese Distanz ist ein interessanter Punkt :roll: Jedenfalls sollte ja ein Dichter (oder Künstler) gemeint sein und der Dämon soll sein Werk sein, nicht etwa seine Muse oder so. (s. erste Strophe) Sein Werk, welches er -vielleicht- noch etwas verziehrt, um seinem schrecklichen, reißerischen Äußeren doch noch etwas Schönheit zu verleihen. (schmunzel) Aber gut, das geht sehr weit. Ich habe immer mehr das Gefühl, dass ich nur noch mehr Verwirrung reinbringe, aber dass man einiges herauslesen kann und viele (verborgene) Feinheiten entdecken kann, das hast du bewiesen und dafür danke ich dir.
Hm, außerdem habe ich bei so langen Kommentaren immer das Gefühl, irgendwas vergessen zu haben. Aber das würde ich dann noch nachtragen. Ich habe mich außerdem (wie unschwer zu erkennen ist) dazu entschlossen, nahezu alles an meinen gedanken zu verraten. Damit habe ich kein problem, da du ja das meiste eh selbst erkannt hast.
Danke nochmal für deine Mühe. : )
liebe Grüße
flamme