Hallo Behutsalem,
vielen Dank für deine Worte und dass du überhaupt mehrere Anläufe gestartet hast.
Ja, solche Mauern können aus allem Möglichen bestehen, auch aus Angst, Scheu oder Hass. Manchmal verraten diese Mauern auch schon viel über den "Insassen" und bei manchen Mauern kann man glatt durch schauen (ist das nicht schön, dass unser Wort dafür tatsächlich "jmd. durchschauen" heißt?), aber uneingeladen übertreten möchte ich sie dann doch nicht.
Wie ein Gedicht "gemeint" ist und wie es verstanden wird, sind natürlich oft verschiedene Dinge. Und ich finde das Eine nicht valider als das Andere. Und manche Gedichte sind ja auch nur wage Hinweise, die vom Leser erst vervollständigt werden können. Daher schreibe ich dir gerne, wie ich manche Dinge an diesem Gedicht betrachte, ohne eine Deutungshoheit in Anspruch nehmen zu wollen. Wer sich unvoreingenommen mit dem Gedicht beschäftigen will, sollte jetzt aufhören zu lesen.
Meine Frage "was hat man euch angetan?" war tatsächlich wörtlich und nicht rethorisch gemeint. Jeder Mensch, der sich so einmauert, tut das ja aus einem konkreten Grund, der eigentlich immer mit etwas zu tun hat, das derjenige als Gewalt oder Verletzung empfunden hat bzw. empfindet. Ich mag gerne hören, wovor jemand Angst hat, wo im Körper seine Scheu sitzt, oder welchem Ding gegenüber er sich so machtlos fühlt, dass er ihm nur mit Hass begegnen kann. Wenn ein solches Gespräch gelingt, hilft das ja oft auch schon dabei ein paar Steinchen abzutragen.
Ja, die Wunschvorstellung der Menschen, die lebensbejahend durch die Straße laufen ist natürlich eine schöne, auch wenn es für mich persönlich auch ohne Rufen zugehen dürfte.
Ich denke, damit aus dem Wunsch Wirklichkeit werden kann, müssten wir Menschen u.a. besser darin werden, behutsamer miteinander umzugehen (entschuldige bitte die Anspielung auf deinen Benutzernamen).
Was deinen Vorschlag angeht kann ich nur Folgendes sagen: Das ist nicht als tatsächlicher Aufruf gemeint. Zu so etwas kann man nur einladen, nicht aufrufen. Die doch eher starke Sprache im letzten Teil des Gedichts ist dem verschuldet, dass ich dort gegen meinen Frust angeschrieben habe. Dies ist eines dieser Gedichte, wo es einem gelingt, es am Stück runter zu schreiben. Es ist vor ca. 11 Jahren im Wartezimmer des Hausartzes entstanden: Am Tag vorher war mir in der Bahn ein Bekannter begegnet und wir haben die gesamte Fahrt über mit Smalltalk verbracht. Am Ende der gefühlten 10 Stunden war ich dann ganz entnervt darüber, wieviel man reden kann, ohne sich irgendwas zu sagen. Meine Versuche, dem Gespräch etwas Substanz zu verleihen sind eben an besagten Mauern gescheitert. Dieses Erlebnis wollte ich eigentlich nur "dokumentieren", aber dann war mir das nicht genug und ich wollte meinen Frust auch los werden. Darum sind die letzten 4 Strophen so auffordernd: Es ging mir nicht um den Adressaten der Aufforderung sondern um den Absender - mich. Und daher würde für mich auch das Fragezeichen dort nicht passen.