Sein oder Nichtsein?
Ich sehe mein Bildnis auf dem Wasser in ein Zerrbild verlaufen.
Wellenartig verändern sich meine Gesichtszüge,
werden düsterer und unangenehmer.
Ich haue nicht kämpferisch in mein Konterfei,
um es aufzulösen,
um den Spiegel zu zersplittern.
Ich kämpfe nicht gegen mich selbst,
wie Dorian Gray mit seinem Spiegelbild gehadert
und alles dafür getan hat, es nicht zu sehen.
Es würde nichts bringen.
Die Wellen meiner Fratze würden sich nur ringförmig
in die Unendlichkeit ausbreiten oder im Spiegel in tausend Splitter zerbersten
und jedes Teil wieder zum eigenen Leben erwecken.
Ich hätte es dann wie beim Besen in Goethes Zauberlehrling
mit einer ganzen Armee von Zombies zu tun.
Und überhaupt, ich bin es nicht.
Es ist ja bloß mein Spiegelbild, mein Gegenpol.
Ich bin es nicht und doch bin ich es, denn das Leben ist mein Spiegel.
Ich sehe das Leben nur durch die anderen, sie spiegeln mich selbst.
Alleine kann ich es nicht wahrnehmen.
Ich bin somit auch das, was ich nicht bin, da ich alles bin.
Also heiße ich mein hämisches Grinsen willkommen
und ruhe in meinem Spiegelbild.
Alles darf sein.
Das warme Sonnenlicht spiegelt sich auf dem Wasser, erhellt die Stelle,
wo eben noch die Grimasse war.
Sie ist verschwunden.
Aus dem ruhigen und glatten Spiegel scheint nur noch das Licht.