Hallo Birke,
naja, ganz genau wusste ich beim ersten Lesen nicht, worauf du mit diesem Gedicht hinauswillst - das Weltall, der Mensch, die Technik, das Schicksal. Diese Ansammlung von Schwergewichtigem erschien mir in deinem Gedicht so groß, dass selbst das größte Genie es nicht in einem kleinen Gedicht bewältigen kann.
Beim Weltall beziehst du dich auf den angeblichen Urknall. Als Einstein zu diesem Thema gefragt wurde, sagte er, das Weltall war schon immer da, es gab keinen Urknall. Der "Urknall" als Anfang, was aber voraussetzt, dass das Weltall mal ein Ende hat. Einstein ist da anderer Meinung.
In der nächsten Strophe stellst du fest: Kein Gotteswesen/nur Zufall und Logik. Ob es nur Zufall und Logik waren, die das Weltall entstehen ließen, kann ich nicht beurteilen, da enthalte ich mich. Ich denke, es hat viel mit der Materie zu tun. Mit der dann folgenden Zeile kann ich nichts anfangen.
In Strophe 3 wird der Mensch beschrieben, er sucht einen Sinn in all dem. Deshalb erfindet er Götter und Propheten, das Geld. Das hat zur Folge, dass wir lieben, aber auch hassen.
In Strophe 4 behauptest du, wir wären ganz allein im Weltall. Noch nie was von den Marsmenschen gehört? Dann wiederholst du dich: Keine Kraft, die übernatürlich. Scheint mir überflüssig. Dann kommt das Schicksal, noch dazu willkürlich.
In Strophe 5 erfährt man dann, warum du das Schicksal bemüht hast: Alles nur kalte Technik, nirgends was fürs Herz.
In Strophe 6 aber widersprichst du allem Vorherigen und fängst an, vernünftig zu werden. Das kann man machen, aber dann muss der Leser von Anfang wissen, dass alles Vorherige Mainstreamgequatsch ist und nicht deine Meinung, die Meinung des Autors. Das vermisse ich hier. Mich stört aber auch das Stilistische, es kommt zu getragen, zu mächtig gewaltig daher. Wenn du das eine Nummer kleiner genommen hättest, dann hätte erstens jeder gleich zu Anfang verstanden, worüber du dir den Kopf zerbrichst, und zweitens wäre dann die letzte Strophe, wo du dein Gedicht vom Kopf auf die Füße stellst, wo du deine eigene Meinung vertrittst, dann auch verständlich, der Leser versteht dann einfach, du polemisierst gegen die veröffentlichte philosphisch-idealistische Meinung.
Hundertprozentig gelungen erscheint mir das, was du mit diesem Gedicht beabsichtigt hast, noch nicht. Wie wäre es denn, wenn du von dem hohen lyrischen Ross heruntersteigen würdest und bis Strophe 5 Alltagssprache, geläufige Redewendungen usw. einsetzen würdest? Das machst du ja mit den Moneten und in der zweiten Strophe. Mach es durchgehend. Dann wäre der Bruch, der durch die letzte Strophe entsteht (die du in dieser Hochsprache lassen solltest) erklärbar, vernünftig und klug eingesetzt.
Angelika