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Haus der Puppen


Lichtsammlerin

Empfohlene Beiträge

 

Ich sah ihre Kleider

verstreut wie meine

im Haus der Puppen

ihres, so rot wie Blut,

durchfloss fremde Hände

 

dann gingen hohle Gestalten

ein und aus, Puppen sind

Häuser, ein Heim für

Bedürftige

 

nur eine Puppe

nackt gemacht

 

in Augen blitzte

flammend Wahn, Wahn

baut Häuser aus

Menschenpuppen

 

Ich sah ihren Körper

erschlaffen, die Puppe

durch viele Hände gereicht, durch-

stoßener Leib

trank das Schweigen

 

sprach, sprach zu ihr

- Puppen sprechen nicht -

wessen Gesetz

 

Kleider verstreut wie Blut

nur eine Puppe Puppe

 

            Frage ins Sprachlose -

            war das ich?

 

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Liebe Lichtsammlerin,

 

deine Sprache ist keine leichte und auch nicht die Darstellung des Erlebten, dennoch kann man die unfassbare Unmenschlichkeit die deinem LI zugestossen ist deutlich spüren und ich als Leser leide mit. Auch ich möchte deine Puppe fest an mein Herz drücken und ihr sagen, wie mutig ich sie finde. Und nein, das warst nicht du!

 

Mit Betroffenheit gelesen.

 

Lieben Gruß, Letreo

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Liebe Letreo,

 

nein, leicht sind Worte und Inhalt nicht.. Für den Schreibenden schwer auszuhalten, und für den Leser.

Ich danke dir sehr, dass du dem Erlebten mitgespürt hast!

vor 44 Minuten schrieb Letreo71:

Auch ich möchte deine Puppe fest an mein Herz drücken und ihr sagen, wie mutig ich sie finde.

Ich glaube, das wird sie gerne hören..

 

vor 44 Minuten schrieb Letreo71:

Und nein, das warst nicht du!

Und doch, das war ich.. irgendwie.  LI ist selbst die Puppe, die es sieht, und ist es zugleich (innerlich) nicht. Getrennt vom Empfinden dieser.

Diese Frage ist schwierig. Sie umfasst dieses gewaltige Eingestehen des Selbsterlebten, das man nicht mit sich selbst indentifizieren möchte.

 

Danke dir fürs Mitfühlen!

 

Liebe Grüße Lichtsammlerin

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Liebe Lichtsammlerin,

 

wenn man nicht aufhören kann immerwieder über ein Thema zu schreiben, wenn immer wieder neue Bilder entstehen die irgendwie nach draussen müssen..... bleibt man als Leser doch immer nur betroffen zurück und versucht aus sicherer Entfernung Trost zu spenden.

 

In diesem Gedicht merkt man besonders deutlich, wie LI das Erleben nicht als Realität wahrnehmen möchte. 

Die Dopplung mancher Worte unterstreicht das noch. Zugleich bricht aber mit der Dopplung die Realität ein Stück weit mehr durch, lässt LI erkennen, dass seine Wahrnehmung doch real sein müsste.....

 

 

vor 20 Stunden schrieb Lichtsammlerin:

  Frage ins Sprachlose -

            war das ich?

eine Frage ins Sprachlose stellen - damit keine Antwort kommen kann.....?

 

Eine Frage zu stellen heißt ja eigentlich, dass man auch eine Antwort haben möchte. Heißt es auch, dass man die Wahrheit wissen möchte?

LI kennt die Wahrheit / Realität, aber kann sie nicht fassen, nicht als Realität annehmen.

Das Stellen der Frage ins Sprachlose scheint die größtmögliche Realitätsnähe zu sein, die LI verkraften kann.

.

.

.

.

.

Nein, es ist die Realität von LI. Wir im Außen sehen Bilder, die wir für wahr halten. LI erlebt eine Realität, die kein anderer als real erleben kann, weil eben niemand anders in der Situation von LI ist.

 

LG

 

Nina

 


Überarbeitet: von Nina K.
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Liebe Nina,

 

ja, ich mute meinen Lesern wohl einiges zu.. Vielleicht fühle ich mich als Dichter der Wahrheit verpflichtet, auch wenn diese manchmal hässlich ist. Ich denke, solange noch Auf- und Verarbeitung stattfindet, wird dies auch Ausdruck in den Worten finden. Aber mit der Zeit wird es weniger.

 

LI möchte die das Erleben sicher nicht als Realität wahrnehmen, aber ein Teil von LI, vielleicht der Teil, der "die Puppe" ist, sucht auch nach Anerkennung. Verlangt danach, dass LI wahrnimmt und die Realität anerkennt..

 

vor 14 Stunden schrieb Nina K.:

eine Frage ins Sprachlose stellen - damit keine Antwort kommen kann.....?

Interessanter Gedanke. Ja, vielleicht.. Mein Gedanke war bildlich ausgedrückt ein Raum aus Sprachlosigkeit, weil LI keine Worte dafür fand. In diesen Raum hinein wirft es nun endlich diese Frage. Die, wie du anschließend schreibst, die erste Nähe zu jener Realität und deren Anerkennung schafft.

 

vor 14 Stunden schrieb Nina K.:

Nein, es ist die Realität von LI. Wir im Außen sehen Bilder, die wir für wahr halten. LI erlebt eine Realität, die kein anderer als real erleben kann, weil eben niemand anders in der Situation von LI ist.

Dem kann ich absolut nichts hinzufügen.

 

Auch dir ganz lieben Dank! Auch, dass du den Bildern trotz aller Schwere etwas Raum gewährst..

 

Liebe Grüße Lichtsammlerin

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Hallo Lichtsammlerin,


es ist schwer wortlos an deinem Gedicht vorüberzugehen und ebenso schwer es zu
kommentieren. Ich schildere dir meine Eindrücke.
 
Die Gedanken und Bilder aus LIs traumatischer Kindheit thematisieren hier das
Nichtsprechen, das Schweigen, die Sprachlosigkeit ... Das Schweigen als
auferlegtes Gebot, das Schweigen als Selbstschutz, das Schweigen des Vergessen-
Wollens, das Schweigen des Nicht-wahrhaben-Wollens ... 


LI kann und will nun die selbsterrichtete Mauer des Schweigens durchbrechen, sie
niederreißen, um endlich, endlich zu sprechen. Doch auch das Darüber-Sprechen
kostet Kraft und macht Angst ...


Das Leben im Haus der Puppen ist aus und vorbei, Vergangenheit, längst vorüber.
Doch als Teil seiner Geschichte muss LI sich auch heute noch damit
auseinandersetzen, alte Narben und Wunden beschauen und vieles mehr - um endlich
und wirklich mit Herz, Hirn und Hand dieses gruselige Haus hinter sich zu
lassen.
LI kann und wird den Bann der Sprachlosigkeit brechen; es besitzt die nötige
Kraft. 

🌻🌻🌻
LG, Berthold 
 

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Hallo Berthold,

 

deinen Zwiespalt kann ich gut nachvollziehen. Ich freue mich aber über deine reflektierte, einfühlsame Schilderung deiner Eindrücke.

Die vielen Facetten des Schweigens - ich bin beeindruckt, dass du sie alle aus den Worten gelesen hast.

Ja, sie wirken zusammen, erschaffen so eine Größe, die für LI schwer zu überwinden ist. Aber überwunden werden muss, um diesen Bann zu brechen. Um, wie du richtig schreibst, endlich, endlich zu sprechen. Nur wie? Wo anfangen? Wie eine Stimme finden?

vor 6 Stunden schrieb Berthold:

das Darüber-Sprechen
kostet Kraft und macht Angst ...

JA. Ich glaube, dieses innere Fühlen von LI ist in diesem Punkt schwer zu beschreiben. Ich würde es so sagen - jedes einzelne Wort, jeder Buchstabe, muss einen so gewaltigen Widerstand überwinden, dass es nicht nur psychisch sondern auch physisch zur Schwerstarbeit wird. Manche Worte lassen minutenlang auf sich warten. Manche Monate. Manche Sätze kämpfen Jahre, bis die Lippen sie freigeben. Da zeigt sich dann auch, wie wichtig ein Gegenüber ist, das Geduld zeigt und die nötige Zeit gewährt..

Die Vorstellung einer erlösenden Befreiung, wenn das Darüber-Sprechen erst begonnen hat, weicht schnell Ernüchterung. Dann müssen die Widerstände wieder und wieder überwunden werden, bis es irgendwann etwas leichter wird.

 

vor 6 Stunden schrieb Berthold:

Das Leben im Haus der Puppen ist aus und vorbei, Vergangenheit, längst vorüber.
Doch als Teil seiner Geschichte muss LI sich auch heute noch damit
auseinandersetzen, alte Narben und Wunden beschauen und vieles mehr - um endlich
und wirklich mit Herz, Hirn und Hand dieses gruselige Haus hinter sich zu
lassen.
LI kann und wird den Bann der Sprachlosigkeit brechen; es besitzt die nötige
Kraft. 

Diesen letzten Absatz möchte ich genau so stehen lassen. Und ich denke LI möchte gerne daran glauben. Das sind ermutigende Worte..

 

Bleibt nur vielen Dank zu sagen!

 

Liebe Grüße Lichtsammlerin

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  • 2 Wochen später...

Liebe Lichtsammlerin,

große Wertschätzung an Dich.

Dieses Gedicht habe ich bereits vor meiner Anmeldung bei Poeten.de (noch im Gast-Modus) gelesen und war sehr ergriffen. Die Frage "War das ich?", hat mich völlig rausgehauen. 

Als ein Mensch mit Traumafolgestörung kann ich sagen, dass es sich völlig schräg anfühlt, in einem dissoziiertem Ich-Zustand zwar den RealiTäteRn zu entkommen, und sich trotzdem von außen immer in der Situation gefangen zu sehen. 

Jedes Deiner hier gedichteten Worte ist mit Bedacht gewählt und trägt ein Bild von emotional abgetrenntem, doch gleichzeitig entzündlich pochendem Schmerz in sich.

 

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  • 3 Wochen später...

Liebe Anna,

 

bitte entschuldige meine späte Antwort, manchmal verliere ich für einige Zeit den Boden und brauche alle Kraft wieder einigermaßen sicher zu stehen. Es wird besser, kommt aber manchmal noch vor.

Wenn ich deine Worte lese, wirst du das sicher verstehen oder auch selbst kennen..

 

Tja, ja, es fühlt sich völlig schräg an, das stimmt. Dass sich diese Situation/en im Inneren derart gespeichert haben, dass sie einem zwar fremd erscheinen, man sie aber immer wieder durchlebt wie eine gegenwärtige Realität, während ein Teil des Selbst oder Bewusstseins von Außen das Ver-rückte betrachtet..... ja, "schräg" ist ein sehr treffender Begriff für diesen Zustand!

 

Am 16.1.2021 um 23:13 schrieb Geschichtenerzählerknopf:

Jedes Deiner hier gedichteten Worte ist mit Bedacht gewählt und trägt ein Bild von emotional abgetrenntem, doch gleichzeitig entzündlich pochendem Schmerz in sich.

Ich bin überrascht, wie klar du dies erkannt hast. Das stimmt, und manchmal ist es mir selbst gar nicht so bewusst. Ein Blick von Außen, wie von dir, der allein in den Worten so viel erkennt.. das berührt. Und geht vermutlich nur, weil du ähnliche Empfindungen selbst kennst.

 

Hab vielen Dank für diese deine Worte! Und ich wünsche auch dir weiter viel Kraft für den Weg, auf dem wir uns wohl immer befinden, ein Weg durch dieses Leben..

 

Liebe Grüße Lichtsammlerin

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