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  1. Darkjuls

    AUS LIEBE ZU DIR

    AUS LIEBE ZU DIR Der Rauch deiner Zigarette reizt meine Augen, doch mit verklärtem Blick bitte ich dich, einen Zug probieren zu dürfen. Was macht man nicht alles aus Liebe. Es gab keine Zigarette danach. Rauchen kann tödlich sein.
  2. Darkjuls

    Gefühlte Zeit

    GEFÜHLTE ZEIT Frage nicht den Verstand, wenn du eine gefühlvolle Antwort erwartest und wundere dich nicht über die Antwort zu viele Fragen, ohne Sinn und Verstand ohne ein Verstehen, um zu Verstehen vom Verstand geleitet, ließ die Antwort aus dem Herzen heraus eine gefühlte Ewigkeit auf sich warten war dann aber wunderbar für die Gefühlswelt - verständlicherweise - erhoffe keine Wunder, sondern nutze die Zeit, um und mit Herz und Verstand zu verstehen
  3. Oilenspiegel

    Wassertext

    panta rhei Unsere Wohnung ist seit einiger Zeit ein Wassergrundstück. Das ist mir heute, beim Pinkeln, in den Sinn gekommen. Wie ich so dastehe und aufpasse, dass alles schön sauber abläuft, denke ich über die seit Wochen kaputte Klospülung nach. Beharrlich läuft ein Rinnsal ungehindert vom Zuleitungsrohr in die Plastapparatur, weiter durch die Porzellanmulde, flüstert senkrecht hinab und läuft weiter durch das Labyrinth der städtischen Kanäle hindurch, um nach Sieben und Rütteln und Quirlen endlich wieder die naturgegebene Freiheit eines Flusses zu erlangen. Auf einmal fühle ich unser Klo mitten im unablässig strömenden Kreislauf allen irdischen Wassers stehen – verbunden mit den tief in der Erde verborgenen Reservoirs leckerer Felsquellwasser, die jeder aus Supermärkten oder Restaurants kennt, verbunden mit den Weltmeeren, den weichsten oder bizarrsten Wolkengebilden, mit Wäldern aus Regen, mit Gletschern, Seen, Flüssen, taunassen Wiesen, dampfenden Kläranlagen. Mir kommen ein paar Tränen im Bewusstsein dieses endlosen Wesens unserer Mutter Natur. Wasser – das Blut der Erde. Den Gedanken, unseren Spülkasten noch jemals reparieren zu lassen, verwerfe ich stolzen Haupts. Ich genieße den Anblick der letzten Tropfen, die mich verlassen, um zurückzukehren auf den uralten Weg allen Wassers. Die Spartaste betätige ich nicht mehr und wende mich als glücklicher Mann still meinem Tagwerk wieder zu. (um 2000)
  4. Oilenspiegel

    eine Erinnerung

    Sie freut sich. Ich trete in diese mir so vertraute Wohnung, zu der ich im Innern so einen großen Abstand habe. Es war eine spontane Regung, hier her zu gehen, sie zu besuchen. Ein bisschen schwang eben noch, vorm Eintreten, die Hoffnung mit, sie habe etwas Gutes gekocht, wie früher täglich. Aber die Hoffnung erfüllt sich nicht. Seit Jahren kocht sie nur noch selten. Und wenn, dann lustlos. Erst wurden ihr die gewohnten Einkäufe unmöglich. Frisches Zeug, so richtig vom Bauern, gibt es heute nicht mehr in der Stadt. Damals war Gemüse putzen noch putzen, was beim Ackerdreck anfing. Es gehörte dazu, gab dem Essen den Geschmack. Das Gemüse von heute ist schon mehrmals gereinigt, wirkt künstlich, ist es wohl auch. Kein Wochenmarkt mehr wie früher. Sie müsste heute nicht einmal samstags früh vor fünf aus dem Haus, um in Ruhe die besten Sachen zu bekommen. Wenn Markt ist, gibt es alles bis zum Schluss, aber eben den gleichen Kram wie im Supermarkt. Selbst die Kleinerzeuger geben sich größte Mühe, dass alles glänzt und glitzert wie bei Kaisers Tengelmann seinem und so weiter. Sie kann nicht mehr raus, solche Touren zu machen, selbst wenn sie es wollte. Also wird hin und wieder etwas aus Halbfertigprodukten gemacht. Aufgewärmt. Soll ich dir Spagettis machen?, fragt sie mich. Ach nee, hab schon gegessen, antworte ich. Spagetti gab es früher bei uns nie, bis auf ein einziges mal. Weil ich so belustigt war über die wirklich ulkigen Versuche meines Vaters, die weichen Fäden auf die Gabel zu bekommen und von dort in den Mund, brüllte er zuerst rum und klatschte mir dann eine mit seiner trockenen, knochigen Hand. Solchen Humor verstand er nicht. Es war kindlich, unschuldig, mein Lachen. Aber er sah darin wie immer eine unverzeihliche Respektlosigkeit. Also gab es, solange wir diese Mutter-, Vater-, Kind- und Kind-Gruppe waren, nie wieder Spagetti. Galten ihm auch als westlich. Kein sowjetischer Freund war je mit Spagetti gesehen worden. Also auch wir nicht, basta! Heute könnte ich also welche bekommen. Vorgekochte aus dem Glas womöglich. Oder so ein Set mit Spagettisoßeninstantpulver. Das will ich nicht. Ja, einen Kaffee gerne, rufe ich aus dem Sessel und greife nach der Fernbedienung. Auf ARD und ZDF folgt gleich RTL und der ganze Mist. Wie ich das hasse. Kann ich dir mal die Sender sortieren?, frage ich laut. Ach lass mal, der Tobias hat mir doch alles aufgeschrieben. Und ich gucke ja sowieso kaum noch. Kommt ja doch nur Mist! Sag ich doch. Beim Kaffee soll ich erzählen, wie es mir geht. Es läuft schon, sage ich, weil ich die Antworten auf jede andere Aussage wahrscheinlich schon kenne. Dass ich wenige Wochen später die Wohnung meiner Familie allein verlassen würde, weil ich rausfliege, war zu dem Zeitpunkt für mich zwar schon zu ahnen, gab aber kein gutes Gesprächsthema her. Ich kann nicht so schnell wieder gehen. Das will ich ihr nicht antun, so selten, wie ich bei ihr bin. Schade, ich hatte gehofft, dass noch jemand bei ihr sitzt, eine meiner Schwestern, ein Enkel oder so. Aber seit die Jungs ihr Abi in der Tasche haben, haben sie auch keinen Grund mehr, bei der Oma zu sitzen. Das war ihr letzter Großauftrag. Nach Schulschluss kamen die Jungs zum Essen. Da gabs noch was Richtiges. Wie früher. Fast. Nun ist auch das vorbei. Der rote Sessel, in dem ich sitze, ist furchtbar. Sein Bezug ein kratziges Kunststoffgewebe. Mutter schlägt sich auf dem Sofa in eine Wollpryladecke mit Katzenbild. Soll wohl ein kuschliges Gefühl vermitteln. Auch furchtbar, diese Decke. Dann schon lieber eine Katze. Die aufgewärmte Spagettis aus dem Glas frisst. Mauuu! Mit der sie reden kann. Auf die sie schimpfen kann. Nach der sie treten ... Der Kaffee wird langsam lauwarm. Wie fühle ich mich? Wie ein Vogel, der hungrig zum Nest seiner Kindheit zurückgekehrt ist, aber keine Würmer mehr in den Schnabel gestopft bekommt? Bin ich darüber traurig? Nein. Ich koche inzwischen selbst ganz leidlich. Immer wollte ich nur weg von hier. Warum gehe ich jetzt nicht? Was drückt mich in den hässlichen Sessel und macht mich dabei so traurig? Was? Ich könnte doch gehen. (aus 2009, die Erinnerung ist älter, etwa Mitte der 1990er Jahre)
  5. Telenovelle Einer liebte eine schöne Frau. Sie hörten miteinander Musik. Gingen in Theater. Nahmen Anteil am Leben da draußen. Liebten das Verinnerlichen. Küssten sich auch ein mal. Waren verwirrt. Spürten die Lust. Wurden kein Paar. „Vielleicht im Alter, irgendwann, wenn es uns dann nocht gibt“, sagten sie. Und litten an dem, was fehlte. Das Leben trennte sie schließlich. Schied sie zu Erinnerungen voneinander. Bis eines Tages das Telefon schrillte. „Ja?“, sagt die vertraute Stimme, „wer is'n da?“ Kurze Stille. „Leg nicht auf“, krächzt er. Pause. „Du bist das?“ „Ja.“ Kinderstimmen toben im Hintergrund. „Warte mal. Ich zieh mich mal in eine ruhige Ecke zurück. Hier ist Kindergeburtstag.“ „Sorry“, krächzt er. „Nee, schon okay, kannste ja nicht wissen. Meine Tochter wollte schon längst da sein, den Haufen übernehmen, warte mal - “ Er hört sie laut und resolut die Kinder informieren, wie sie sich in den nächsten Minuten zu verhalten hätten. Dann wird eine Tür laut ge- schlossen. „Hallo, biste noch dran?“ „Ja“, krächzt er. „Na dann! Wie hast du meine Nummer gefunden? Warum hast du sie gewählt?“ „Ja, äh“, krächzt er. „Also - “ Pause. „Also deine Stimme klingt noch wie früher“, kämpft er sich einen ganzen Satz über die trockene Zunge. Sie lauscht, will sagen: deine nicht gerade, du krächzt so! Sagt stattdessen: „Das höre ich öfter mal. Neulich erst hat mich ein Cousin angerufen, kennste vielleicht noch, den …, weißt du?“ „Nh, nh“, verneint er. „Melden sich seit zwei Jahren Leute bei mir, von denen ich seit Ewigkeiten nichts gehört habe. Verflossene, alte Kolle- ginnen, Verwandte. Seit ich den Laden habe, steh ich ja über- all drin, da finden die meinen Namen und rufen an. Bin scheinbar tierisch wichtig. Dir auch?“ Das war sie. Direkt, ein wenig burschikos, Wind aus den Segeln nehmend, das Ruder ergreifend. „Du, warte mal, ich muss noch mal zu den Kindern rüber. Bin gleich wieder da.“ Er hört einen Schlag. Wohl das Telefon auf einer harten Unterlage. Eine Minute Stille, zwei. Es knackt wieder. „So. Bin zurück. - Ja, rufen alle an. Jetzt du. Ich weiß nicht. Ist das gut? Soll ich fragen, wie es dir geht? Du willst be- stimmt wissen, was ich so mache, ob ich noch künstlerisch aktiv bin, ob ich einen Mann habe, verheiratet bin, gar po- litisch aktiv – und all das, nicht wahr?“ „Na ja. Mh, vielleicht. Solche Sachen, ja. - Und wie du riechst.“ Mist, zu direkt, denkt er. „Wie ich rieche? Das fragt nicht jeder. Ja – im Moment nach Stresshormon 5, Eau de Schweiß.“ Sie schweigen wieder ein paar Sekunden. „Du“, sagt sie dann. Ruf heute Abend noch mal an. Aber nicht vor zehn. Mein Karlinchen ist immer noch nicht hier und ich die Kinder können nicht ewig allein bleiben. Heute Abend, nach zehn, ja? - Du? Ich freue mich drauf!“ „Okay. Bis dann“, sagt er. Erst nach dem Auflegen wird ihm sein Zittern bewusst. Alles zittert. Schauer durchfahren seinen Körper. „He, du hast mich warten lassen! Ich sitze hier wie eine Fünf- zehnjährige und starre auf das Telefon!“ „Du hast gesagt ,nicht vor zehn', da hielt ich viertel nach genau für richtig.“ Stille. „Es ist genau richtig. Danke, dass du mich nicht sitzen gelassen hast. Dann würde ich nämlich in spätestens einer halben Stunde heulen.“ „Meinetwegen?“ „Deinetwegen? Ach Quatsch! Oder – natürlich deinetwegen. Auch wir verlieren uns, sehen uns über dreißig Jahre nicht, hö- ren nichts voneinander, riechen uns nicht ...“ Er lacht leise. „Immer noch Stresshormon 5?“ „Nein! Was denkst du von mir? War 'ne schwere Entscheidung zwischen Springtime und Indian Summer.“ „Und?“ „Ehrlich? Hab Indian Summer genommen. Passt auch mehr zu dem Kleid, das ich gerade trage.“ „Du trägst Kleider? Das ist die erste Veränderung, die ich höre.“ „Na ja, ist noch ein Probelauf. Aber dieses hier hat mir meine beste Freundin geschenkt. Sie will, dass ich etwas femininer in Erscheinung trete. Ich eigentlich auch. Hat sich lange keiner mehr nach mir umgedreht. Dabei ist fast alles noch dran an mir, und straff! Meine Tochter ist jedenfalls immer neidisch, wenn sie mich aus der Dusche kommen sieht. Sie sagt es nicht, aber ich sehe ihren Blick. Alte Hexe!, denkt sie, Wie macht die das nur?! Aber ich verrate ihr meine Geheimnisse nicht.“ Er hört zu und kann es kaum fassen. Sie redet wie damals. Offen, berührend nah, bildhaft. Nein, körperlich. „Beschreib mir das Kleid“, bittet er sie. „Das Kleid? Ja, das ist ein ganz besonderes. Ich glaube, es ist afrikanisch. Ethnomuster. Braun-gelb-orange-Töne. Ein ganz einfacher Schnitt. Wirkt am Körper aber ganz raffiniert. Steht mir gut. Ich trag es aber nur zuhause. Moment - “ Er hört seltsame Geräusche. Eine Art Zischen, dann ein Klap- pern. „Habs ausgezogen. Ich wusste nicht mehr, wie ich bequem sitzen oder liegen kann in dem Ding. Jetzt ist es besser.“ + + + düdeldüdeldüdelsummsummsumm + + + Mist! Immer diese Kliffhänger!!!
  6. Joshua Coan

    Paralleldimension

    „Tony´s Menschenservice. Hallo?“ „Hallo. Ich würde gern einen Familienmensch bestellen. Mit Knöpfen und extra Socken. Etwas Haar, weiblich und lackiert. Dazu… einen Moment bitte… (wolltest du eine Cola dazu?) (Eine Diät-Cola für mich!) Okay und eine Diät-Cola 0,5.“ „Gern. Wo soll es hin?“ „Teigallee 4. Familie Margherita.“ „Ist in einer halben Stunde bei ihnen.“ „Vielen Dank. Wiederhören.“ … Es klingelt an der Tür. Ein Pizzastück öffnet. Vor der Tür steht ein anderes Pizzastück und überreicht eine Schachtel mit einer Frau darin. „Macht 16,95.“ „Wow, das ging ja schnell. Hier! Der Rest ist für sie.“ „Danke. Schönen Abend noch.“ Die Tür geht zu. Das Pizzastück dreht sich um und ruft durch die Wohnung. „Schatz! Kinder! Familienmensch ist da!“ Die vier Pizzastücke kommen in der Küche zusammen Setzen sich auf ihre Telefone und verzehren ihren Familienmensch
  7. Es war schon weit nach Mitternacht, als der kleine Junge in seinem dunkelgrünen Pyjama auf das mondscheinbenetzte Meer hinausblickte. Zum ersten Mal konnte sich die Familie einen solchen Urlaub leisten und er wollte nicht genug von der Umgebung kriegen. Er blickte auf die rauschenden Palmen entlang der Küste, auf das glänzende und gleichzeitig tiefschwarze Wasser. Der Wind, der durch die Pflanzen fuhr, klang wie flüsternde Stimmen und der Schatten des Jungen schwamm verzerrt auf dem Wasser. Er verstand nicht, wie seine Eltern jetzt schlafen und diesen Anblick verpassen konnten; nein, er verstand nicht, wie irgendjemand jetzt schlafen konnte. Er stand dort, an der steinigen Küste und lauschte den Wellen, als er die Stimme hörte, die ihn wissen ließ, dass er nicht allein war. „So spät noch alleine draußen?“ Der Junge schreckte auf. Hinter ihm stand jemand, ein Mann mittlerer Größe, doch für den Jungen schien er riesig. Seine dunkle Gestalt ließ keine Gesichtszüge erahnen und sein Umriss wirkte unförmig und steif. „So spät?“ wiederholte die Stimme, als der Junge nicht antwortete. Doch bevor er etwas erwidern konnte, verschwand der Mann. Er konnte nicht sehen, wohin er gegangen war und es hatte den Anschein, er hätte sich in Luft aufgelöst. Der nun von Panik gezeichnete Junge rannte den Weg zurück zu seinem Hotel hinauf. Gerade noch hatte er sich gewundert, wie man diese bezaubernde Nacht verschlafen konnte, nun bereute er es, wach geblieben zu sein. Er zitterte vor Angst, als er das Gebäude betrat. Die hellen Marmorfliesen wirkten kalt und glatt, geradezu bedrohlich; als wollten sie, dass man auf ihnen ausrutscht. Als der Junge, immer noch zitternd, sein Hotelzimmer betrat, fand er seine Mutter schlafend vor, das Bett von seinem Vater war leer. Von hinten spürte er urplötzlich eine kräftige Umarmung und eine vertraute Stimme flüsterte in sein Ohr: „So spät noch alleine draußen?“
  8. Darkjuls

    Unverschämt

    "Wie haben Sie mich genannt? Alte Schrulle? Habe ich das eben richtig verstanden? Das ist ja der Wipfel der Unverschämtheit!", fauchte ich den Mann hinter mir an. "Das heißt Gipfel", erwiderte dieser genervt. Ich rollte die Augen: "Sie sind wohl ein ganz Schlauer, was!?" Er winkte ab und wollte sich gerade wegdrehen, als ich ihn anfuhr: "Nur, weil ich meinen Einkauf nicht in Rekordzeit auf das Band schmeiße, Sie mit ihrer Packung Kaugummi und der Zeitung nicht vorlasse, müssen Sie ja nicht gleich ausfallend werden. Hätten Sie einen Einkaufswagen, würden Sie mir den in die Hacken rammen, so einer sind Sie! Auf die Idee mir beim Auspacken zu helfen, kommen Sie wohl nicht, was? Natürlich ist das nur eine Traumvorstellung oder eine Utopie, die mir im Kopf rumschwirrt, dass alle Menschen nett zueinander sind und sich helfen." Herr "Ich hab´s eilig" baute sich nun richtig auf und meinte: "Nett, ist ein gutes Stichwort. Sie könnten mich einfach kurz vorbei lassen und in aller Ruhe weiter ihren Kram auf das Band legen." Wütend blitzte ich ihn aus dunklen Augen an, lächelte gekünstelt und antwortetet betont freundlich: "Ihr Charme wirkt auf mich gerade derart narkotisierend, dass ich soeben beschlossen habe, Sie durch zu winken." Als ob das nicht schon die höchste Peinlichkeitsstufe wäre, opferte ich meinen Stolz auf dem Scheiterhaufen der Vernunft und entschuldigte mich für mein Benehmen. Schließlich wollte ich mit gutem Beispiel vorangehen. "Ich habe gleich einen wichtigen Termin und ein sehr enges Zeitfenster neben Haushalt, Kindern und Einkauf, aber was soll´s? Also verzeihen Sie meine Respektlosigkeit und gehen Sie halt vor!" Kopfschüttelnd schlängelte sich Mister Wichtig nun an mir und meinem noch immer gut gefüllten Einkaufswagen vorbei. Dabei donnerte er mir beschwingt seinen Ellenbogen in den Rücken. "Ja, ist denn schon Fastnacht und die Narren sind los oder war das eine Aufforderung zum Tanz, mein Guter? Wenn das so ist, haben Sie sich ja wirklich prächtig als möchtegern Chef kostümiert", entfuhr es mir. Er sah mich fassungslos an und versuchte, die Situation zu beruhigen: "Herrgott, das war ein Versehen. Machen Sie doch nicht so einen Aufstand!" Letztlich zahlte er mit seiner Mastercard und eilte davon. "Leute gibt es!", raunte ich der Kassiererin zu. Nun musste ich mich aber wirklich beeilen, um noch halbwegs pünktlich in der Schule beim neuen Direktor zu erscheinen, um mich für das ungebührliche Benehmen meiner Tochter gegenüber einem Lehrer zu rechtfertigen. Der Einkauf wurde also schnell im Haus abgeladen, bevor ich mich auf den Weg ins Gymnasium machte. Eine Viertelstunde zu spät, gar nicht mal so übel, dachte ich mir. Nachdem ich tief Luft geholt hatte, klopfte ich an die Tür des Schulleiters, Herrn Horst. Drei Mal dürft ihr raten, wer mir gegenüber stand. Ebenfalls merklich überrascht bat mich der Direktor mit den Worten ins Zimmer: "Ganz die Tochter, Frau Klein! Gut, dass wir uns nun einmal in aller Ruhe unterhalten können." Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken. Hier konnte ich für meine Tochter kaum mehr die Kohlen aus dem Feuer holen. Schmunzelnd dachte ich aber bei mir, der eine heißt "Horst" und die andere macht sich zu einem. Nun ja, wäre es anders gekommen, was würde ich wohl in meine Memoiren schreiben? Gut, dass es Zufälle und Sprüche wie diesen gibt: Man sieht sich immer zweimal im Leben!
  9. Oilenspiegel

    Eigentlich schade, ...

    ... dass ich solche Ideen immer ins Schubfach lege und vergesse. Da liegen sie dann. Irgend ein Donnerstag, 22.37 Uhr Es ist wahr, damals hatte ich ganz schön zu tun. Ständig auf der Jagd nach Schnäppchen, ständig Kämpfe um Rabatte, ständig dieses Preis-Leistungs-Abwägen! Seit ich meinen eigenen Betrieb habe, ist alles viel ruhiger geworden. Am Ende der Woche sehe ich, was für mich übrig bleibt, und das ist meist nicht wenig. Das Leben ist ein Fest geworden. Trotzdem denke ich gerne an die alten Zeiten zurück. Schließlich hatte ich damals meine bisher längste Beziehung mit einer Frau. Und was für einer! Damals wäre ich um ein Haar ganz groß im Popgeschäft gelandet! Damals war eigentlich alles aufregender als heute. Ich wusste früh nie, wie der kommende Tag verlaufen würde, und am nächsten hatte ich den vorherigen sowieso vergessen. Ich hangelte mich nur an Notizen und Visitenkarten durchs Leben. Eine Weile davor, irgend ein Samstag, 11 Uhr So ein verregneter Morgen! Noch nichts im Wanst und dann der erste am Treffpunkt! Meine Uhr muss vorgehen. Sie zeigt 11 Uhr an, und kein Schwein weit und breit. Bis auf ein paar alte Säcke, die so früh schon in die Koofe rennen mussten. Krank! An einem Sonnabend! Könnten doch alle noch pennen! Nein, wollen wohl unsere Demo in Augenschein nehmen. So was Beklopptes. Steht doch am Montag eh alles in der Blödzeitung. ... Aber, könnse wenigstens mitreden. Warn ja dabei! Plötzlich höre ich Mucke. Tekkno vom Feinsten. Gar nicht so weit weg. Und es kommt näher. Hoffentlich hat einer ’n Bier für mich dabei. Oder wenigstens ne Kippe. 12.13 Uhr Steh’n immer noch rum. Nach meiner dritten Mammutbüchse laufe ich ein bisschen auf dem Platz umher. Mache Inspektion. Vielleicht ist irgendwo ein Schnäppchen zu machen. Das Bier und die Mucke bewirken, dass ich langsam ein besseres Feeling für den Tag bekomme. Der Regen hört auf. Und wie ich so dastehe und nach oben schaue, ob eine echte Wetteränderung absehbar ist, stößt ein dicker, heller und Wärme verheißender Sonnenstrahl über mir durch die dünner werdenden Wolken und fällt direkt in das Gesicht der Mutter Gottes, die kaum zwei Meter von mir entfernt steht. Ich erschrecke, weil mich etwas packt, das ich vorher nie gespürt habe. Es ist irgendwas Religiöses, meine ich. (Später erklärt mir einer, dass ich wohl einen Knall bekam.) Wie ferngesteuert trete ich noch einen Schritt näher an sie heran. „Na, auch zur Demo?“ Sie grinst mich an. „Mh“ meint sie und nickt mir freundlich zu. „Ganz schön kalt heute, was?“, frage ich. „Scheint ja jetzt besser zu werden“, sagt sie. „Biste von hier, weil ich dich noch gar nicht kenne“, frage ich. „Ja, ich bin neu hier“, sagt sie. Pause. „Und, sehn wir uns noch?“, frage ich. „Weiß nicht, ich muss mit meinen Leuten zusammen bleiben“, sagt sie. Ich blicke die Reihe der Leute ab, mit denen sie zusammen ist. Krass, haben alle die gleichen Klamotten an. Und alle haben einen Helm dabei. „Seid ihr so’ne Motorradgang?“, frage ich. „So was ähnliches“, sagt sie. Kurze Pause. „Mh, krass“, sage ich. Und: „Na ja, vielleicht bis später!“ Erst piekt es zwischen den Schultern. Dann spüre ich etwas im Brustkorb. Das ist echt Hammer. Es wird irgendwie immer größer, habe ich das Gefühl. Plötzlich zieht es sich wieder zusammen, aber nur, um mich gleich wieder aufzupumpen. So stelle ich mir das Atmen auf so einem Achttausender vor. Als würde die Lunge verrückt spielen. Mein Körper kollabiert, aber ich erlebe das wie von außen. Einer rempelt mich kumpelhaft an. „Ej, biste schon zu?“ „Hä, wieso?“ „Stehst so abjedreht rum!“ „Haste ma ne Kippe?“ Ich zünde sie an, ziehe tief und huste höllisch los. „Scheiße! Wie schmeckt denn das!?“ Keiner antwortet, der Typ ist schon weitergeschlurft. Ich schaue die Zigarette an. Alles normal. Keine kyrillischen Buchstaben oder so dran zu sehen. Eine völlig normale Fluppe aus irgend so einer Fluppenschachtel. Nur dass sie mich anekelt, als wäre ich ein Schulanfänger, dem die Großen auf dem Heimweg mit Gewalt eine brennende in den Mund gesteckt haben. Sie beschmutzt dich, nimmt dir deine Reinheit, denke ich. Solch ein Irrsinn geht mir durch den Kopf. Vielleicht war das Bier auch nicht okay. In solche Grübeleien versunken suche ich die Stelle, wo ich meine letzte Büchse fallen lassen hab. Aber ich finde sie nicht. 12.51 Uhr Unerwartet latschen auf einmal alle los. Ich schließe mich ein paar Jungs aus unserem Viertel an, die ich gut kenne. Wir quatschen durcheinander, ob einer weiß, worum es bei der Demo geht, was danach abgeht, ob das Molotow gleich aufmacht, wenn die Latscherei vorbei ist, wer Kohle hat, um irgendwo ein paar Gramm zu kaufen und so. Kaum losgelaufen, ist schon wieder Halt. Eine sehr aufgeregt wirkende schrille Mädchenstimme erzählt was von politischen Gefangenen und vom Dritten Reich und von den Parallelen. Ich versinke in dem Wort Parallele. Überlege, wie es geschrieben wird, komme zu keinem Ergebnis. 13.06 Uhr Ein Typ, den ich vom Sehen kenne, raunt mich an, ob ich der sei, der ein paar Gramm kaufen will. Meine Kumpels stehen locker in der Nähe und geben Zeichen, dass sie sich natürlich später beteiligen werden, wenn ich erst mal auslegen könnte. Plötzlich 13.08 Uhr reißt mir der Typ den Zwanziger aus der Hand, steckt mir blitzschnell was in die Jacke, taucht im Gewühl unter und ich habe eine ziemlich feste, kühle Lederkralle um meinen Hals. „Scheiße!, was is’n los?“, frage ich empört. Ich bin von einigen dieser komischen Gang umringt, einer hält mich schmerzhaft. Die anderen versuchen den drumrumstehenden Demoteilnehmern zu erklären: „Festnahme wegen BTM! Kein Grund, dass ihr euch aufregt.“ Feindseliges Gemurre auf der Gegenseite. „Der wird nach der Aufnahme der Personalien gleich wieder laufen gelassen!“, höre ich einen beschwichtigen, während ich aus der Demo gezogen werde. Sie führen mich seitlich weg an den Rand des Platzes. Dort stehen ein paar Wannen. „Rein da!“, schnauzt mich der Typ an, der mich am Hals gegriffen und abgeführt hat. Einer zieht mich nach drinnen und zeigt mir, wo ich mich hinsetzen soll. Ich muss die Hände nach vorn halten, dann werden sie mit einem Plastband zusammengebunden. Dann sitze ich da. Alleine. Die Bullen stehen am Auto. Ein paar gehen wieder. Einer steckt den Kopf zu mir rein und sagt: „Kommt gleich jemand, ihre Personalien feststellen.“ Ich sehe, wie die Demo sich entfernt. Auch die meisten Bullen und die Fahrzeuge verlassen meinen Sichtbereich langsam. Plötzlich springt sie, die Mutter Gottes in die Wanne, setzt sich mir gegenüber an den Tisch. „Zuführung wegen BTM. Können Sie sich ausweisen?“ Erst jetzt schaut sie mich an. Grinst los. Nein. Lächelt. Oder grinst sie? Macht sie sich lustig? Klar macht sie sich lustig. Aber sie freut sich auch. Worüber? Mich in dieser Situation zu erleben? Als wieder einer sein Gesicht kurz in das Auto steckt, wird sie kurz total ernst. Als er weg ist, grinst sie wieder. Oder lächelt. Das soll einer verstehen. Mechanisch beantworte ich ihre Fragen. Ist nicht einfach, mit diesem Lächeln vor mir. Geboren? Klar, sonst wär’ ich ja nicht hier, sage ich sonst in dieser Situation. Jetzt ist das anders. Ich überlege, wann das war. In welchem Jahr. Oh, ein Steinbock, sagt sie. Bin ich irre? Macht die sich über mich lustig, denke ich zum x-ten Male. Das darfst du nicht, du bist die Mutter Gottes, ich glaube an dich! Aber das steht doch alles in meinem Ausweis, murmele ich. Versuche, mich zu strecken. Mich gerade aufzurichten. Ich muss Würde ausstrahlen. Ich habe eine Fahne wie ein Mammut, glaube ich. Sie schreibt fleißig alles in ein Buch, was ich ihr hingestammelt habe und sie mit dem Ausweis abgeglichen hat. Krieg ich nachher mein Dope zurück, ist ja Eigenbedarf. Nö, sagt sie, das brauche ich heute abend. Hä? Ich werd irre, denke ich. Sie sagt: War ein Witz. Aber ich hätte womöglich die Eigenbedarfsgrenze überschritten, muss noch geprüft werden, ich muss mit einem Verfahren rechnen und so weiter. Also wie immer, denke ich. Nichts wie immer, denke ich. Heute verändert sich mein Leben. Wir sitzen da eine Weile stumm im Auto, da sagt sie: Am Wochenende, wenn ich keinen Dienst habe, nehme ich auch manchmal eine bunte Pille, beim Tanzen, und kichert leise. Ich glaub ich werd irre, denk ich. Eine Pillen schluckende Heilige Kuh, die im Dienst einen abgedrehten Kleinkriminellen anmacht. Gleich schweb ich durchs Autodach. Die Schiebetür, die bis eben nur einen Spalt offen war, wird weit aufgerissen. „Bist du mit dem fertig? Wir müssen vor.“ Sie ließ mich ein Formular unterschreiben, dann setzten die mich tatsächlich wieder auf die Straße. Wie jetzt, frage ich. „Sie bekommen eine Vorladung!“, sagt der, der vorhin mal kurz reingeschaut hat. Und schon fährt der Wagen davon. Nach kurzem Zögern trotte ich nach hause. ... Abbruch ...
  10. Oilenspiegel

    Teil einer...

    Teil einer längeren Prosaarbeit, wird vielleicht mal ein Roman für Jugendliche und alle, die sich mit dem Thema auseinandersetzen möchten Das zweite Kapitel heißt Jetzt geht’s lo-hos! und beschreibt den Geburtsprozess eines beinahe einzigartigen Projekts in der ostdeutschen Provinz Gemeinderatssitzung in Zöckern. Stolz saßen sie da, die Abgeordneten, in ihren Anzügen von der Stange, ihren Kostümen von Otto, Neckermann und Quelle. Gerade lehnten sich die Wortführer der einzelnen Fraktionen selbstgefällig zurück, denn sie hatten fast eine Stunde erbittert um das eine oder andere Komma in der neuen Abwassersatzung debattiert. Den meisten gefiel der so erstrittene Wortlaut, besonders die Akademiker unter den Herren und Damen des Rates legten großen Wert auf eine saubere Sprache in dem, wofür sie ihre Hände heben sollten. Während der Präsidiumsvorsitzende Mitscherlich, FDP, zum nächsten Tagesordnungspunkt, dem Antrag der Verwaltung auf Schließung einer Kindertagesstätte, überleitete, beugte sich eine Mitarbeiterin des Bürgermeisters zu jenem hinab, und flüsterte ihm etwas zu. Sie wirkte ein wenig aufgeregt, und der Herr Bürgermeister Petzold, SPD, erstarrte im Zeitlupentempo von eben noch lächelnd hinüber in eine seltsam verzerrte Grimasse. Als erstes wurde neben ihm Baudezernent Krause darauf aufmerksam. Als Parteifreunde, und durch die hohe Verantwortung eng aneinander gebundene Menschen, duzten sie sich. „Was ist denn los, Günter?“, fragte Krause seinen Dienstherren besorgt. „Moment, ich muss mich erst mal wieder fangen“, stammelte der Bürgermeister. Dann schaltete er sein Mikrofon ein und bat um Unterbrechung der Sitzung, bevor das nächste Thema diskutiert würde. Aufregung nun auch bei den anderen Anwesenden, weil zwei Polizisten in Uniform leise den Saal betreten hatten. Petzold nickte ihnen zu, um dann ans Rednerpult zu treten. „Ähm, ja, also, ich möchte Sie, meine verehrten Damen und Herren um eine kurze Unterbrechung unserer Sitzung bitten, weil es in der Stadt einen kleinen Zwischenfall gab oder, äh, gibt, um den ich mich spontan kümmern muss. Ich bitte die Herren der Polizei, die sicher deswegen hier sind“, jene nickten bestätigend, „und die Vorsitzenden der Fraktionen zu einer kleinen Unterredung in mein Arbeitszimmer. Ich unterbreche die Sitzung also aus aktuellem Anlass für zehn Minuten, oder sagen wir, eine viertel Stunde. Da müssen Sie ihre Zigaretten nicht so hastig runter schlucken.“ Verhaltene Heiterkeit im Saal. Der Fraktionsvorsitzende der oppositionellen CDU stand gespielt erregt auf und fragte laut: „Ja will uns denn niemand sagen, was überhaupt los ist? Das dürfte doch wohl von allgemeinem Interesse sein, wenn in unserer Stadt etwas passiert ist!“ Petzold machte beschwichtigende Handbewegungen. „Bitte, Herr Meißner, kommen Sie in mein Büro. Ich muss mir doch selbst erst einmal ein genaueres Bild machen! Danke. Vielen Dank!“ Meißner hatte seinen Auftritt, der gegebenenfalls, wenn es denn ein so nennenswerter Vorfall wäre, vom Redakteur der „Landstimme“, welcher hoch konzentriert dem Geschehen folgte, geschildert würde. Die „Landstimme“ vergaß nie, die Äußerungen der CDU gebührend zu würdigen. Das konnte langsam aber sicher ein Umdenken bei den Wählern zur Folge haben. Schließlich waren im nächsten Jahr wieder Kommunalwahlen, und ein Trend der Unzufriedenheit mit der Politik der regierenden SPD/FDP war in der Stadt deutlich zu spüren. Da durfte man keinen Moment versäumen, auf sich und die eigenen Fähigkeiten aufmerksam zu machen. Nachdem sich die Polizisten und die Fraktionsvorsitzenden der SPD, der CDU, der FDP, der PDS und des Neuen Forums im Arbeitszimmer des Bürgermeisters versammelt hatten, dankte der ihnen für ihr Verständnis und stellte die Situation dar: „Wie mir soeben von Frau Sänger mitgeteilt wurde, ist das Gebäude der ehemaligen Polyklinik von Jugendlichen aufgebrochen und besetzt worden.“, wobei er das Wort „besetzt“ unsicher, wie einen fremdsprachigen Ausdruck, von dessen Anwendung er selbst nicht ganz überzeugt war, aussprach. „Mehr weiß ich im Moment noch nicht, darum möchte ich nun Herrn Kowalski, den Leiter unseres Polizeireviers, Sie werden ihn ja kennen, um eine Lagebeschreibung bitten. Ja, Herr Kowalski, dann stellen Sie uns doch mal die Lage dar. Ach und Frau Sänger, würden Sie uns bitte Kaffee reichen?“ „Ist schon unterwegs!“, klang es, wie gewohnt, aus dem Hintergrund. Klappernd, mit einem Tablett voller Kaffee, wackelte sie herein und begann geschickt, ohne zu stören, alles auf dem Tisch zu verteilen. Kowalski räusperte sich einmal kräftig. „Ja, ich danke Ihnen allen zuerst mal, dass Sie sich gleich Zeit genommen haben. Aber die besondere Situation, wie auch die Gesamtlage erfordert unser aller Aufmerksamkeit.“ Er schien einen Moment über seinen verunglückten Satz nachzudenken, dann fuhr er fort: „Gegen siebzehn Uhr zwanzig ist bei Ihrer Frau Sänger“, wobei er den Bürgermeister ansah, „ein Anruf von einer unbekannten Person eingegangen, die mit wenigen Worten mitteilte, dass ein „Kommando Drachen gegen Rechts“ die ehemalige Polyklinik in der Johann-Sebastian-Bach-Straße besetzt habe, um dort ein „Freizeit- und Wohnzentrum für linke Jugendliche“ zu errichten, wenn ich es recht verstanden habe.“ Auch Kowalski übte sich unsicher in dem noch fremden Sprachgebrauch. Lauter Begriffe, die er zwar schon mal gehört, von denen er jedoch nicht glaubte hatte, jemals mit ihnen unmittelbar in Berührung zu kommen. Wobei solche Zustände in letzter Zeit immer näher auch ans verschlafene Zöckern gerückt waren. Leipzig, Halle, Magdeburg, Dessau – überall wurde neuerdings „besetzt“. Und überall mussten Führungskräfte wie er die Übersicht behalten, damit derartige Situationen nicht eskalierten, wie im berüchtigten Berlin-Kreuzberg und inzwischen auch längst im Prenzelberg. Wenn man das alles im Herbst `89 schon geahnt hätte, vielleicht wären die Leute dann nicht so euphorisch für ihr zu vereinigendes Deutschland auf die Straßen gegangen? Das sprach er natürlich nicht aus, aber es ging ihm durch den Kopf, während er versuchte, den Anwesenden die Situation ruhig zu schildern: „Wir wissen noch nicht, wie viele dieser jungen Leute sich im Moment in der Polyklinik verschanzt halten, aber ein paar bekannte Gesichter konnten wir bereits ausmachen. Unsere Kräfte halten sich auf meine Anweisung hin zurück, bis wir uns hier auf ein weiteres Vorgehen geeinigt haben. Natürlich habe ich auch mit Magdeburg Rücksprache genommen, jedoch freie Hand erhalten, solange alles in vernünftigen Bahnen verläuft. - Herr Bürgermeister, ...“ Es folgte eine kleine Denkpause. „Um ehrlich zu sein, möchte ich kein unnötiges Risiko für meine Leute eingehen. Sie sind mit diesen Dingen zum Glück noch nicht konfrontiert worden, aber ich habe die Gesichter der älteren Kollegen gesehen, als wir uns bei einer Weiterbildung Videoaufzeichnungen der Geschehnisse Mainzer Straße und Rostock-Lichtenhagen ansahen. Ich sag’s Ihnen hier ganz offen: Den Alten, die anständig durch all die DDR-Jahre ihren Dienst gemacht haben, will ich einfach nicht mehr zumuten, sich mit den Chaoten der neuen Zeit herum zu machen. Mit den kleinen Hühnerdieben werden wir immer noch fertig. Auch was echte Kriminalität betrifft, sind wir bereit alles zu tun, was in unseren Kräften steht. Und da brauchen wir uns nicht hinter den Kollegen aus den alten Bundesländern verstecken. Aber die Köpfe für etwas hinhalten, was andere eingebrockt haben, sollten jüngere, die mit dieser neuen Gesellschaft besser klar kommen.“ „Also in den Sand stecken, die Köpfe, habe ich Sie da richtig verstanden?“, fragte Meißner, der bis dahin gesenkten Blicks mit einem Kugelschreiber zwischen den Fingern herumgespielt hatte, in unerwarteter Schärfe. Alles zuckte zusammen, außer Kowalski, der offenbar mit solchen Reaktionen gerechnet hatte. Er fuhr fort: „Herr Bürgermeister Petzold, lieber Herr Meißner, ich schlage Ihnen vor, die Jugendlichen erst mal in dem Haus zu dulden. Schlagen Sie ihnen eine vertragliche Regelung vor, die ihnen im Moment entgegen kommt, die aber jederzeit gelöst werden kann. Allem natürlich vorausgesetzt, dass die Stadt noch die Hand auf dem Haus hat.“ „Ja, ja“, stammelte der Bürgermeister. „Ich kann Sie ja verstehen, aber wie stellen Sie sich das denn vor, diese Chaoten zu dulden? Schätzen Sie denn die Situation so gefährlich ein, dass Sie gar nichts tun können?“ „Nein, sicher nicht. Wir würden, vorausgesetzt es käme eine Einheit der Bereitschaftspolizei aus Magdeburg hinzu, das Gebäude schon räumen können. Doch zu welchem Preis, ist unklar. Und da meine ich nicht einmal so sehr eventuell zu erwartende Blessuren auf beiden Seiten. Schauen Sie, gerade jetzt, in diesen noch recht unruhigen Zeiten, nur vier Jahre nach der großen Wende, muss auch die Polizei darauf achten, ihren Ruf als demokratische Einrichtung des Staates nicht zu gefährden. Und würden bei so einer Aktion Jugendliche, wenn möglich sogar Minderjährige, zu Schaden kommen, könnte das zu neuerlichen Vertrauensverlusten in der Bevölkerung führen. Ob die Politik davon unbeschadet bliebe, wage ich zu bezweifeln“, schloss er, dabei reihum in die Gesichter der Runde schauend. „Aber gerade weil die Demokratie ein so hohes und schützenswertes Gut ist, sollten wir diesen extremistischen Auswüchsen doch von Anfang an mit der ganzen Härte des Gesetzes entgegen treten, meinen Sie nicht?“, unternahm Meißner einen zweiten Versuch, wobei auch er alle intensiv anschaute, besonders Frau Gerling, die PDS-Vertreterin. ,Egal, was die jetzt weiter diskutieren, ich kann der „Landstimme“ ruhigen Gewissens darstellen, dass ich mich im Sinne der Bürger für eine deutliche Klärung des Vorfalls eingesetzt habe‘, dachte Meißner zufrieden. In den folgenden kurzen Moment allgemeiner Ratlosigkeit fragte der über siebzigjährige Abgeordnete Dommel von der FDP: „Was sind denn das jetzt für welche? Sind das de Rechten oder de Linken? Was haben die denn da vor mit dem schönen Haus?“ Ruckartig gingen die Köpfe in Richtung Tischplatte. Nur die Gerling verdrehte ungeniert genervt die Augen, während alle anderen sich mehr oder weniger das Lachen verkniffen. Aber Kowalski hatte sich schnell wieder in der Gewalt. „Die Gruppe, die dort am Werk ist, ist eindeutig dem linken Lager zuzuordnen. Schwerere Delikte sind dabei von den hier Ansässigen bislang nicht bekannt geworden. Nur das leidige Problem der Schmierereien, Ruhestörung und ähnliches.“ „Schlimm genug, diese Graffittischmiererei. Auch das sollten wir nicht auf die leichte Schulter nehmen!“, freute sich Meißner, dem so unverhofft noch mal ein Ball zugespielt worden war, laut. „Sicher, ich wollte auch nur deutlich machen, dass wir es nicht mit hartgesottenen Gewalttätern und Linksterroristen zu tun haben, sondern mit Jugendlichen, die wohl etwas über die Stränge schlagen und vielleicht nächste Woche schon einsehen, dass so ein Haus ganz schön viel Arbeit macht. Da haben wir mit der politischen Gegenseite, den Rechten, viel mehr Probleme.“ „Sie meinen die RechtsEXTREMEN!“, giftete Meißner über den Tisch. „Wir wollen doch nicht, dass da eine Nähe zu meiner Partei hergestellt wird.“ „Nein“, seufzte Kowalski etwas genervt. „Entschuldigen Sie bitte.“ Frau Sängers blond umrahmtes Gesicht erschien wieder im Türspalt. „Wenn ich Sie an die Zeit erinnern darf? Es sind schon zwanzig Minuten herum.“ Dabei verzog sie das Gesicht zu dieser Grimasse, die heißen soll: Ich kann ja verstehen, dass Sie Wichtiges zu besprechen haben, aber da warten noch andere... Der Bürgermeister fasste sich kurz. „Wenn also niemand mehr einen wichtigen, der Sache dienenden Gedanken hinzuzufügen hat, würde ich so verfahren, wie Herr Kowalski vorgeschlagen hat.“ Zögerlich zustimmendes Nicken. Nur Meißner hampelte mit dem ganzen Oberkörper, als wollte er sagen: Na eigentlich bin ich ja nicht dafür, aber wenn es denn sein muss. Statt dessen murmelte er: „Ja bitte, aber ich habe Sie gewarnt!“ Alle erhoben sich und verließen den kleinen Beratungsraum, nur der Bürgermeister besprach noch kurz das weitere Vorgehen mit den beiden Polizisten, bevor auch er wieder zum Ratssaal schritt. Kowalski wollte indes umgehend wieder zur Polyklinik zurückkehren und dort warten, bis der Bürgermeister nach Ende der Ratssitzung dazukäme. Beim Eintreten in den Ratssaal sah Bürgermeister Petzold, dass Meißner sich in einer Ecke mit dem Redakteur der „Landstimme“ unterhielt. Was das zu bedeuten hatte, war Petzold klar. Meißner im Wahlkampf. Wie immer eigentlich. Liefe irgend etwas schief in dieser Besetzungsgeschichte, würde er ein ganz großes Politikum für sich daraus machen. Verläuft alles undramatisch und ruhig, macht er es auch, nur mit anderen Betonungen. Petzold seufzte still vor sich hin, als er sich wieder setzte. „Mensch Günter, wie ist es denn gelaufen?“, fragte Krause ihn. „Worum es geht, haben ja nun schon alle erfahren. Und, was machen wir?“ „Kowalski hat eine Art Duldung vorgeschlagen. Ich hab ihm zugestimmt. Am besten, du kommst nachher mit hin, dann bist du im Bilde. Warum warst’n eigentlich nicht mit bei mir drin?“ „Hast mich doch nicht dazu aufgefordert“, antwortete Krause und grinste. Krause hatte die unverhoffte Pause genutzt, um ein wenig mit den Damen der Fraktionen zu schäkern. Dafür konnte er gern auf eine Runde mit Meißner verzichten. Zu Beginn der Fortsetzung erörterte Petzold, dass er zum Schluss in nichtöffentlicher Aussprache ein paar Worte zum außergewöhnlichen Geschehen sagen würde. Den Rest der Sitzung musste er wieder konzentriert begleiten. Wo es ging, kürzte er die Diskussionen ab. Immer wieder schlichen sich Überlegungen in seine Gedanken, was und vor allem wie er mit den Jugendlichen reden wolle. Das war so ein Tag, wie er sich den Alltag als Bürgermeister nicht wünschte. Manchmal gab es zwar den ganzen Tag über unangenehme Überraschungen, aber selten so verzwickte. Er hatte das Gefühl, sich auf völlig neues Terrain wagen zu müssen. Seine Souveränität geriet ins Schwanken. Nachdem er die Gemeinderäte kurz und knapp offiziell über die Besetzung und die Ergebnisse der Unterredung in seinem Arbeitszimmer informiert hatte, ohne sich dabei auf eine lange Diskussion einzulassen, die er am ehesten von Meißner befürchtete, begab er sich klammen Herzens in Begleitung Krauses zum Ort des Geschehens. Schon von Weitem leuchteten ihnen bunt bemalte Bettlaken, rote und sogar eine DDR-Fahne entgegen. „Wir teilen nur neu auf!“ stand auf einem der Transparente. Die Polizisten standen in kleinen Gruppen auf der dem besetzten Haus gegenüberliegenden Straßenseite. Einige rauchten, andere betrachteten sehr interessiert ihre Schuhspitzen, nur wenige sahen hinüber, was dort wohl weiter passieren würde. Als Petzold und Krause die Wagentüren öffneten, waren beide überrascht von der Geräuschkulisse. Eigentlich war alles still, bis auf den schrillen Klang eines Megaphons, über welches jemand einen Text verlas. Kowalski kam ihnen raschen Schritts entgegen. „Die haben richtig Humor, verlesen gerade alte Flugblätter aus der Wendezeit, vom Neuen Forum und so“, berichtet Kowalski spürbar entspannter, als er es noch vor ein paar Stunden war. „Wollen uns wohl den Spiegel vorhalten mit den alten Forderungen nach Freiheit, vielfältigen Entfaltungsmöglichkeiten aller und all diese Dinge von damals.“ „So, so. Vom Neuen Forum“, sagte Krause. War er in diesem Augenblick vielleicht sogar etwas berührt? Schließlich ist auch er ein paar Wochen in diesem Neuen Forum aktiv gewesen, damals, als nichts mehr zu befürchten war. Aber das wusste man ja nicht. Hätte ja auch wieder anders rum kommen können. Und wenn die Leute damals mit den großen Spannungen klargekommen sind, werden wir doch auch mit den paar Spinnern dort drüben fertig, dachte er, um sich des Grunds seines Hierseins wieder bewusst zu werden. Er blickte zu Petzold hinüber, welcher wohl auch in Gedanken versunken war. Doch plötzlich sagte Petzold: „Na, dann werden wir wohl mal.“ Alle nickten einander ermutigend zu und überquerten zu viert die Straße. Der meist schweigende zweite Polizist hatte sich wieder dazugesellt. Drüben sah es aus, als hätte man die Verhandlungspartner schon erwartet. Die Tür, eben noch verschlossen, wurde unter einem bis draußen zu hörenden lauten Gerammel geöffnet. Die vier stiegen die wenigen Stufen hinauf und betraten, Selbstsicherheit vortäuschend, forsch das Gebäude. Ein paar verwegen aussehende junge Kerle standen Spalier. Dem in normaler Lautstärke ausgesprochenen „Guten Tag!“ des Bürgermeisters und seiner Begleiter kamen Murmelgrüße zurück. „Kommen Sie rein“, wurden sie aus der Mitte des großzügigen Entrees aufgefordert, als sie bereits drin waren. Dort saß eine gute Handvoll weiterer junger Leute, darunter auch ein Mädchen, um einen großen, aus Brettern und Balkenenden zusammengezimmerten Tisch. Einer der Jugendlichen stand kurz auf, um die vier auf die freien Stühle zu verweisen, wo sie offenbar sitzen sollten, mit den Rücken zum Eingang. Etwas widerwillig nahmen sie Platz, verstohlen die Gesichter in der Runde musternd. Die rechte Hand Kowalskis holte umgehend, nach dem er sich gesetzt hatte, einen Schreibblock und einen Stift aus den Uniformtaschen, worauf einer der Jugendlichen direkt fragte, was er denn aufschreiben wolle. Protokoll, das sei so üblich, antwortete der Gefragte kurz und knapp. Doch Kowalski machte eine beschwichtigende Geste, die seinem Kollegen bedeutete, erst mal keine Aufzeichnungen zu machen. Also verschwand das Schreibzeug wieder. „Tja, meine Herren“, fing Petzold an, worauf einige kicherten und die junge Frau am Tisch angrienten. Petzold überging den kleinen Fauxpas und kam mit den Worten: „Nun sind wir hier, würden Sie uns also bitte erklären, was das alles soll?“ zum Thema. Vielleicht etwas zu aggressiv, aber irgendwie musste er ja schließlich anfangen. Nun sahen alle jungen Leute auf einen in ihrer Gruppe, der wohl der Wortführer sein sollte. Der fing auch gleich mit seinem einstudierten Text an: „Nachdem es in den letzten Monaten immer häufiger zu Übergriffen von Faschos, also, äh, Neonazis, gegen linke Jugendliche gekommen ist, haben wir uns als Kollektiv entschlossen, die alte Polyklinik zu besetzen. Wir werden hier ein offenes Jugendzentrum mit Schwerpunkt für linke Jugendliche einrichten, um den hier lebenden Jugendlichen eine kulturelle Alternative zu den immer weiter um sich greifenden Nazicliquen zu bieten. Wir werden das Haus nicht freiwillig verlassen, falls Sie vor haben, uns wieder los zu werden. Aber wir sind bereit über eine symbolische Miete mit Ihnen zu verhandeln.“ Er zögerte einen Moment, dann schob er eine Mark über den Tisch, dem Bürgermeister vor die Hände. Der war erstaunt. Was sollte er dazu sagen? Die kurze Rede des jungen Mannes, wenn auch wie vom Stichwortzettel abgelesen, war deutlich und ließ kaum Verhandlungsspielraum. Sie wollen drin bleiben, basta. Alles was sie anbieten, ist die Bereitschaft, eine symbolische Miete zu zahlen. Und dann dieses Markstück! Was soll das? Wollen die mich verarschen?, dachte Petzold. Er musste versuchen, das Rad noch mal ein Stück zurück zu drehen. „Ich kann es gut verstehen, dass ihr – dass Sie...“ „Wir können uns gern duzen!“, alberte einer mit Punkerfrisur dazwischen. „...dass Sie mit Ihrer Interessengruppe gern einen Platz hätten, wo Sie sich regelmäßig treffen können und so weiter. Ich frage mich nur, weshalb Sie nicht die bereits bestehenden Möglichkeiten nutzen?“ „Nee, ins Schwimmbad gehen wir nicht, da sitzen die Glatzen. Wie oft wir da schon Dresche angeboten bekommen haben!“ „Und in den Kirchenkindergarten erst recht nicht. Die wollen da mit Jugendlichen basteln und kochen, stellt euch das mal vor!“ „Wir brauchen ein eigenes Zentrum!“ So redeten jetzt mehrere bunt durcheinander. Krause, der sich in der Freizeitwelt der Stadt besser auskannte, wohl wegen seinen eigenen Kindern, erklärte Petzold leise die Begriffe. Im Freibad gab es einen noch genutzten ehemaligen FDJ-Club, eine notdürftig ausgebaute Holzbaracke. Sie war schon seit kurz nach der Wende als Treffpunkt von Skinheads berüchtigt. So trauten sich inzwischen kaum noch normale Besucher ins Freibad, weil dort meistens auch die Glatzköpfe rumhingen und Stunk suchten. Der „Kirchenkindergarten“ war ein Kinder- und Jugendfreizeittreff des Diakonischen Werks, wo wirklich kaum Arbeit für Jugendliche stattfand. Niemand ging dort noch hin, wenn er älter als zwölf war. Natürlich kannte Petzold die einzelnen Einrichtungen, nur die umgangssprachlichen Bezeichnungen dafür und die Befindlichkeiten waren ihm fremd. Er dankte Krause für die Erläuterungen. Wie weiter? „Sie hören es, Herr Petzold. Hier sind alle entschlossen, die Sache richtig anzupacken, und aus der alten Polyklinik eine wichtige kulturelle Bereicherung für unsere Stadt zu machen. Wir wollen Konzerte veranstalten, einen ständigen Treffpunkt mit Getränkeausschank und Zeitungen schaffen und was sonst noch so gut wäre. Davon haben doch auch Sie was, wenn die Stadt dadurch attraktiver wird!“ Komm mir nicht so, Bürschchen, dachte Petzold. Von wegen was Tolles für Zöckern, und dann nichts als Scherereien und Ärger. Nee, nee. Laut sagte er: „Leute, ihr wisst doch noch nicht ein mal, wem das Haus gehört. Laut meinen Informationen sind das völlig ungeklärte Besitzverhältnisse. Wir können euch doch nicht etwas vermieten, verkaufen oder sonstwie miteinander einig werden, wenn der Stadt das Haus nicht gehört!“ Damit hatten die Besetzer offenbar gerechnet. „Dann stellen wir einen Investitionsvorrangantrag!“, sagte der Wortführer und die anderen strahlten, zufrieden über ihren großen Coup, den sie damit gelandet hatten. „Oh Gott!“, entfuhr es Petzold. „Ihr ahnt ja nicht einmal, was das bedeutet. Das gibt einen Verwaltungskrieg! Das kann ich euch jetzt schon sagen, dass ihr das nicht durchsteht. Schließlich kostet das ja auch Geld. Geld, das ihr sicher nicht habt. Und ob die Stadt das befürworten würde, steht völlig dahin.“ „In anderen Städten läuft es genau so!“, rief wieder einer dazwischen. „Egal. Da werde ich euch keinerlei Hoffnungen machen. Fest steht, dass das, was ihr hier macht, den Bruch gleich mehrerer Gesetze bedeutet. Ihr habt das Gebäude aufgebrochen, widerrechtlich in Beschlag genommen und – wollt euch nun auf Dauer festsetzen. Das geht nicht.“ Krause merkte, dass sein Chef nicht weiter wusste. Darum schlug er vor, sich für ein paar Minuten getrennt zu beraten. „Wir sehen zwar nicht ein, wozu wir uns noch lange weiter unterhalten sollen, aber wenn Sie wollen, bitte.“ Damit stand der Wortführer der Besetzer auf und gab den Leuten an der Tür ein Zeichen, diese wieder zu öffnen, damit die Gäste raus könnten. „Fünf Minuten, mehr nicht, okay?“, bat Petzold im Hinausgehen. „Ja, ja. Bis gleich dann.“ Petzold weitete draußen zuallererst die Krawatte, die er dummerweise immer noch um hatte. In diese Unterredung passte sie am allerwenigsten. Zu allem sprang jetzt auch noch der von der Landstimme vor dem Haus auf ihn zu, ein herbeigerufener Fotograf machte aus seinem Schatten heraus Fotos von der Szenerie, und es dauerte ein paar Worte lang, die beiden abzuschütteln und auf Distanz zu halten. „Herr Kowalski, was machen wir denn nun mit den Personalien der Typen? Wir haben bis jetzt nichts in der Hand“, fragte der Adjutantentyp seinen Vorgesetzten. „Ach Schmidt, die laufen uns doch nicht weg. Wenn es nachher zu einer einvernehmlichen Einigung kommt, dann haben wir die Sache erst mal vom Tisch. Warum sollen wir eine dicke Akte anlegen, solange gar nichts Ernstes passiert ist?“ „Nichts Ernstes? Ihre Ruhe möchte ich haben, Chef. Wenn ich da an den Meißner denke – der wird das nicht so locker sehen.“ „Schmidt! Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Das müssen Sie noch lernen“, sagte Kowalski darauf freundlich zu seinem Untergebenen. Und damit war für ihn diese Diskussion erschöpft. „Die erwähnen ja ziemlich oft die Anderen“, sprach Petzold Kowalski fragend an. „Na, bis Halle, Leipzig, Dessau und so weiter ist jeweils kaum eine Stunde Fahrzeit. Und die Szene ist regional und überregional gut vernetzt, wie wir wissen. Doch vielleicht sollten Sie wirklich mal mit Dessau Kontakt aufnehmen, kann ja nicht schaden zu hören, wie andere mit so einem Problem umgehen.“ „Ja, das werde ich morgen wohl machen. Aber jetzt?“ Man einigte sich schnell darauf, eine Duldung bis auf Weiteres, ohne jegliche vertragliche Absprache für sieben Tage anzubieten, um in einer Woche zu genaueren Absprachen zu kommen. Als dies den Besetzern drinnen mitgeteilt wurde, hoffte Petzold insgeheim, dass in einer Woche schon keiner mehr in der Polyklinik anzutreffen wäre. Aber er ahnte auch, dass das eine trügerische Hoffnung war. Die wussten irgendwie sehr gut, was sie wollten, auch wenn es verrückt klang und so gar nicht in die Zeit zu passen schien. ,Unser Kollektiv‘, mh. So was hatte Petzold schon gefühlte hundert Jahre nicht mehr gehört. (...)
  11. Darkjuls

    Durch die Blume

    Dem geflügelten Wort: "Durch die Blume gesagt" auf den Grund gegangen: "Etwas durch die Blume sagen". Jeder kennt die Redewendung, doch weiß der Geier, wo sie herkommt, nein, aber ich weiß es. Sie ist eine abgeschwächte Form von "unverblümt", also voll krass die Wahrheit sagen und umschreibt diese mit freundlich klingenden Worten. Urheber war ein Mönch namens Daniel. Als unser Abt also vor vielen Jahren noch in völliger Abstinenz im Kloster lebte und seinen täglichen Rosenkranz betete, fiel ihm ein, dass nicht nur die Blumen im Klostergarten Wasser brauchten, sondern er selbst auch lange nichts Gescheites getrunken hatte. Er sinnierte, was ihm alles zur Verfügung stünde, um ein leckeres Getränk zu kreieren. Da bei seinen Klosterbrüdern Hopfen und Malz noch nicht verloren waren und sie genug Wasser hatten, brauten sie ein leckeres Fassbier. Doch woraus sollten sie es trinken? Beim Beten ging einem der Mönche ein Licht auf. Er fand, dass die gefalteten Hände wie eine Tulpe aussahen und er formte aus Ton ein Gefäß, welches unserer heutigen Biertulpe zum verwechseln ähnlich sah. Daniel war entzückt. Das Bier sprudelte nur so in die Tulpe und schäumte mächtig. Jeder weiß, dass man die Schaumkrone vom Bier noch heute "Blume" nennt. Es wurde gefeiert, was das Zeug hielt. Das Bier lief in Strömen und die Mönche mit der schwachen Blase häufiger zum stillen Örtchen. Lediglich unser trinkfester Vorsteher des Klosters, der Daniel, später auch bekannt als "Daniel D(r)üsentrieb", lachte darüber und jubelte seinen Brüdern zu: "Prost!", abgekürzt für: "Ich wünsche eine gesunde Prostata!" (auch Vorsteherdrüse genannt) Unter dem Einfluss des Gebrauten war er stets gewillt, die Wahrheit zu sagen, aber leider nicht mehr so richtig dazu in der Lage. "Meine Schafe!", rief er und meinte: "Ihr Hammel! Lasst uns beten!" Aber die lustige Truppe konnte nicht an sich halten. Das Bier entfaltete seine volle Wirkung. Der inzwischen selbst stark angetrunkene Daniel lallte:" Haltet den Schnabel!" Zu sagen: "Haltet eure Mäuler!", wäre zu direkt gewesen und kam ihm auch nicht mehr über die Lippen. Ach du heiliger Bimbam, dachte er und machte einen Abgang. Es war auch genau jener Abend, als ihm die drei Gestalten erschienen, die er später in seiner Bildergeschichte als Tick, Trick und Track darstellte und die in einer Sprechblase lediglich zugaben, ein Schlückchen "Klosterfrau-Melissengeist" getrunken zu haben. Seither ist klar, dass Betrunkene immer die Wahrheit sagen, dazu aber nicht mehr imstande sind, also durch die Blume sprechen. Nicht nur zur Belustigung des Gegenüber, sondern weil es schmeichelhafter klingt, als die unverblümte Wahrheit, hat sich das Reden durch die Blume bis heute gehalten. So ist es, ob ihr es glaubt oder nicht und wer etwas anderes behauptet, der hat von A bis Z gelogen.
  12. Amadea

    Eier aus Stahl - Coming out

    Ja, die Botschaft muss raus! Jetzt weiß Russland, jetzt weiß Europa, jetzt weiß es die ganze Welt: ICH LIEBE LUKAS!!!! es ist nicht so, wie es aussieht, ich sage euch die volle Wahrheit. ich muss es richtigstellen: ich habe es nie so hart gesagt, wie ich es gemeint habe. Ich habe endlich zu ihm gefunden, Ja, ich würde für ihn sogar sterben! Er ist jemand, der auch für mich alles tun würde. Jemand, der mir die Flugzeuge vom Himmel zu holen weiß, und wenn es sein muss, für mich dazu noch das Blaue vom Himmel lügen würde. Jemand, der der ganzen Weltgemeinschaft die Stirn bietet. Ich sage euch: Auf so einen ist Verlass! Und ich sage es hier ganz frei und offen, genau dafür liebe ich ihn. Männer, Seht her! Im Grunde bin ich ein schlechter Mensch, ein Aufrührer. Endlich kann ich ihm meine tiefe und uneingeschränkte Liebe gestehen, ein Geständnis, was schon längst fällig war, meine Gedanken sind endlich verhört worden, und er hat mich überzeugt. Das ist wahre Liebe zwischen Männern. Endlich kann ich aus freien Stücken zu meinen verdrängten Gefühlen stehen. Und auch dem Rest der Welt, der solch eine Liebe vllt. für krank oder gefährlich halten mag, rufe ich zu: Was für ein Mann! Männer, habt keine Angst mehr, steht auf, habt endlich die Eier in der Hose, steht zu euch, wenn es so ist, bleibt locker, habt euch lieb! So schaut doch, ich bin über alle Maßen glücklich, bin der glücklichste Mensch der Welt! Sehe ich etwa anders aus? Würde ich lügen, wenn ich es nicht müsste? Und das sage ich nicht als freier Mann, oder als freier Journalist, der ich im Grunde gar nicht bin, sondern als freiheitsliebender Mensch, und aus Liebe und Achtung zu meinem Land. Es hat schließlich nicht umsonst unserem geliebten Führer über so viele Jahre die Treue gehalten, es hat ihn teuer und lieb, sehr teuer sogar zu stehen bekommen. Das ist real! Das sind unendliche Geschichten, die sich keiner mehr ausdenken kann. Ist das nicht der Wahnsinn?! Außerdem schreibt hier nur einer Geschichte: ER In diesem Land seiner unbegrenzten Möglichkeiten wird jegliche Phantasie gesprengt. Das hier ist kein Lummerland, das ist der große Unterschied. Hier kann ein Spatzenhirn mit den richtigen Verbindungen mehr werden, als nur Lokomotivführer und Marionette. Lukas, schenke meinem kleinen bescheidenen Rest des Lebens weiterhin Freude, Lukas, sei mein put in! Lukas, wenn es sein muss, werde ich sogar deinen hochglanzpolierten Ersatzhoden aus Stahl lieben lernen und küssen, Lukas, ich liebe dich! (Regieanweisung aus dem Off Stop, Stop, Stop! Halt! Was soll denn das bitteschön schon wieder werden? Jetzt hören Sie mal gut zu, junger Freund!, so kommen wir hier einfach nicht weiter! Außerdem scheint das Ihrer Freundin auch keinen Spaß mehr zu machen, sie jammert ja schon wieder, die Ärmste! Ich warne Sie, treiben Sie es nicht zu doll! Also reißen Sie sich bitte gefälligst ein Stückchen mehr am Riemen, solange sie noch lebt!! Meinen Sie etwa, wir kriegen das nicht mit? Wir sind schließlich nicht blöd!! Nochmals: Hier wird nichts zwischen die Zeilen gelegt oder dumm rumgequatscht, ist das Klar? Du liebst ihn nicht! Du verehrst ihn lediglich, du betest ihn an und du fürchtest ihn überalle Maßen... - das ist ein Unterschied- ist das klar? Ob das klar ist? Wir sind nicht zum Spaß hier,wir lassen uns hier nicht aufs Glatteis führen, denn das Eis, lieber Freund, ist dünn, sehr dünn sogar, also passen sie ja auf, ehe ich mich vergesse!! Maske, so geht das auch nicht, da sind mir einfach noch zuviele blaue Flecken am Hals, die müssen später alle raus! Wer ist denn nur auf diese saublöde Idee mit dem Stachelhalsband gekommen? Also bitte nochmal Ruhe und volle Konzentration!! Alle auf Position, Klappe 1 die fünfundsechzigste :
  13. bernd tunn - tetje

    Abschied!

    Abschied! Als sie ihn aus der Therapie verabschiedeten, ging er mit ernsten Gesicht. Er hatte die Zeit nicht nutzen können um sich zu öffnen. Die vielen Gespräche und Auseinandersetzungen in der Gruppe halfen ihn nicht weiter. Im Aufnahmegespräch wurde er gefragt warum er hier sei. Er gab eine für sich vorgefertigte Antwort. Ich bin Alkoholiker und brauche Hilfe. Er konnte einfach nicht aus sich heraus und blieb verschlossen. Während der Zeit gab es so viele Möglichkeiten sich selber näher kennenzulernen. Er konnte nicht. Manche Auseinandersetzungen mit den Therapeuten verhärteten ihn immer mehr. Aus einer anderen Gruppe lernte er jemanden kennen. Mit ihm verstand er sich. Trotzdem schaffte er es nicht näheres von sich zu erzählen. Als der Abschied nahte, ging er ohne eine Gefühlsregung. Trotzdem hatte tatsächlich diese lange Zeit durchgestanden. Doch der Druck in ihm war viel zu hoch. Er hatte kein Konzept dagegen gewollt denn dann hätte er vieles einsehen müssen. So konnte er nicht mitnehmen das er brauchte um in das Gesellschaftsleben zurück zu finden. Am Bahnhof stand er neben dem Kiosk. Die ausgestellten Schnapsflaschen versuchte er zu ignorieren. Doch die Sucht die nur geschlafen hatte, erwachte in ihn. Er hatte kein Konzept dagegen. Die ersten Schlucke waren hart, weil das Gewissen mit trank. Doch dann spürte er eine große Erleichterung. Für einen Moment war alles vergessen. Als der Zug kam torkelte er hinein. Bernd Tunn - Tetje
  14. maerC

    Ein Hilferuf

    Liebe Poetengemeinde, ich wende mich heute hier mit einem Hilferuf an Sie. Mein Name ist Tutnichts zur Sache. Ich brauche Ihre Unterstützung. Ich bin im weitesten Sinn in der Tür- und Fensteröffungsbranche tätig. Seit mehr als einem Jahr habe ich kaum noch Einkünfte und keiner hilft mir. Ich bin Soloselbstständiger und kenne viele andere aus meiner Branche, denen es genauso geht. Einige von ihnen führen ein kleines Familienunternehmen und wir alle kommen nicht mehr über die Runden. Weder in den Medien noch in der Politik wird unsere dramatische Situation angemessen gewürdigt. Sonst haben alle ihre Lobby und ihre Unterstützer, die dafür sorgen, dass ihr Anliegen zumindest geprüft wird. Und wenn es auch kein Geld vom Staat gibt, dann gibt es wenigstens Dank und Lob. Geld kriegen bei uns ja sowieso nur die großen Konzerne. Nicht einmal von der SPD, deren Ziel der Umverteilung wir doch an vorderster Front unterstützen, gibt es ein Wort des Mitgefühls. Vielleicht fragen Sie sich, warum ich keine Corona-Hilfen bekomme. Die wollte ich auch beantragen, aber mein Anwalt hat mir davon abgeraten. Er meinte, dafür müsste ich diverse Papiere wie z. B. Umsatznachweise vorlegen. Dabei konnte ich mir eine Buchhaltung auch schon vor Corona nicht leisten. Lange habe ich meine prekäre Lage vor meiner Frau und meinen Kindern geheim gehalten, um sie nicht zu belasten. Ich habe dann jeden Abend wie immer mein Werkzeug gegriffen, bin in meinem schwarzen Overall und mit der Maske scheinbar zur Arbeit gefahren und erst morgens gegen sechs Uhr zurückgekehrt. Aber meine Arbeit ist zur Zeit so erschwert. Die Menschen in meinen bevorzugten Tätigkeitsgebieten, den Villenvierteln, sind alle zu Hause, wo ich doch sonst aus praktischen Gründen nur dort arbeite, wo keiner da ist. Dann habe ich meine Ruhe und die Bewohner werden nicht belästigt und beunruhigt. So finde ich zur Zeit kaum noch Lieferanten. Entsprechend habe ich Ärger mit meinen Kunden, denen ich fast nichts mehr anbieten kann und die mich demzufolge auch nicht bezahlen. Schon vor diesen Ausgangsbeschränkungen war ich gezwungen, meinen Maserati zu versetzen, um meiner Frau wenigstens etwas Geld geben zu können, damit sie mit dem Daimler zum Einkaufen fahren konnte. Vorher hatte ich meiner Frau fast jede Woche von der Arbeit ein kleines Schmuckstück mitgebracht, weil sie sich so liebevoll um unsere fünf Kinder kümmert und sie in meinem Sinne erzieht. Mir bricht das Herz, dass ich das nun nicht mehr kann. Ich selbst bin ja immer mit meinem Porsche unterwegs, um für die Zeit nach Corona schon einmal neue Märkte zu begutachten, mögliche Einnahmequellen zu inspizieren und mit meinen Kollegen unsere Lage zu besprechen. Ich bemühe mich also. Leider hilft das gerade überhaupt nicht. Ich habe wirklich Angst, in eine Situation zu kommen, in der ich aus Verzweiflung etwas Illegales tue, wobei vielleicht Leute körperlich Schaden nehmen. Das will ich nicht, das wollen Sie sicher nicht, das will keiner. Wenn Sie jetzt das dringende Bedürfnis verspüren, mir in dieser Zwangslage zu helfen, dann verstehe ich das sehr. Sie finden unten meine Kontoverbindung. Ich bin auch schon für kleine Beträge ab 500 Euro dankbar. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, bleiben Sie gesund und gehen Sie doch mal wieder abends aus. Ihr Tutnichts zur Sache IBAN: DE99110110110110110110 Kontoinhaber: Tutnichts zur Sache
  15. Joshua Coan

    Der Herr der Ringe...

    …ABER erzählt von einem Sportkommentator „…was macht Gandalf! Stellt sich doch tatsächlich dem Balrog in den Weg. Jetzt wird’s spannend! Uuuh! Das wird ein sprichwörtlich heißes Duell! Der Balrog geht in Flammen auf! Und da holt er aus… Gandalf pariert! Gandalf pariert doch tatsächlich den Hieb des Dämons! Unglaublich, unglaublich! Und was macht Gandalf nun… ein greller Blitz und… ja das gibt’s doch nicht! Lässt er den Boden unter dem Balrog einbrechen! Ein ganz klares Foul! Im wahrsten Sinne des Wortes unter der Gürtellinie! Der Balrog fällt in die Tiefe! Empörung bei den Orks! Völlig zurecht! Und… dafür wird er auch verdient vom Feld genommen! Gandalf verlässt das Feld. Traurig! Was für eine Art seine Kariere zu beenden! Hab ich so auch noch nicht erlebt. Die Gemeinschaft muss nun ohne Ihn weitermachen. Frodo sichtlich geschockt! Und ein jeder hier frägt sich natürlich: War das nötig? Musste Gandalf ein solches Foul begehen? Das wirft kein gutes Licht auf den Rest der Ringgemeinschaft! Die Teams verlassen Moria. Wir melden uns gleich zurück zur zweiten Halbzeit!“ „Hier bei uns steht nun Herr Elrond, Trainer der Gemeinschaft. Wir befragen ihn nun zu den letzten Minuten in Moria und dem skandalösen Faul ihres Kapitäns Gandalf. Herr Elrong, wie bewerten Sie das Geschehen in Moria?“ „Ja gut äh… dass ist leider nicht so optimal gelaufen wie es sich alle erhofft hatten. Der Aufstieg auf den Caradhras und die Umkehr wegen des Sturms, ich glaube von da an begann unsere Pechsträhne, aber unsere Jungs geben ihr bestes. Und da muss man einfach weiter dranbleiben. Wir können das Ruder noch herum reißen davon bin ich felsenfest überzeugt!“ „Was sagen Sie zur Aktion von Gandalf?“ „Ja gut äh… das war sicher nicht die feine englische, äh, ich meine gondorische Art wie man sie gewohnt ist… aber es war effektiv! Der Balrog ist weg und die Gemeinschaft ist entkommen, zwar mit einem blauen Auge, aber es kann weitergehen.“ „Aber ohne Gandalf wird es doch um ein vielfaches schwerer die Unternehmung zu einem glücklichen Ausgang zu bringen! Finden sie nicht?“ „Ja gut äh… das wird man sicher sehen. Wir haben immer noch Aragorn, und der ist ein ebenso fähiger Kapitän. Spätestens beim zweiten Teil ist Gandalf dann wieder dabei und ich bin mir sicher, auch geläutert von dieser Aktion.“ „Vielen Dank, Herr Elrond! Und wir geben nach einem kurzen Werbespot zurück ins Studio zu J.R.R.“ -Nichts geht über eine schöne Pfeife Langgrundblatt nach einem langen harten Arbeitstag auf dem Felde. Langgrundblatt aus dem Südviertel. Das Original-Pfeifenkraut seit 1417 (Auenland-Zeitrechnung). – „Da sind wir wieder verehrte Leser! Bereit zur zweiten Hälfte…. 😋
  16. Schmuddelkind

    Straßenimpressionen

    Das Schild Nebel liegt auf der Autobahn. In weiter Ferne erkenne ich ein orangenes Flackern über der Straße, das meine Aufmerksamkeit verlangt. Aber ich kann nicht erkennen, was das sein mag oder wozu es gut ist. Ich schaue gebannt auf das Licht, in der Hoffnung auf eine Lösung des Rätsels und als ich näher komme, erkenne ich, dass es sich um ein leuchtendes Schild über der Fahrbahn handeln muss. Jedoch kann ich den Text nicht entziffern. Also schaue ich genauer hin, versuche jeden einzelnen Buchstaben aus seiner Erscheinung und dem Bezug zu anderen Buchstaben heraus zu entschlüsseln. Schließlich, als ich fast auf Höhe des Schildes bin, erkenne ich seine Bedeutung: "Voraussschauend fahren = Sicherheit". Da lenke ich den Blick wieder auf die Straße und rase in ein Stauende hinein. Wegen den Kindern Ich biege in eine kleine Straße in Plänterwald ein und lese gleich zu Anfang ein gelbes Schild mit der Aufschrift: "Freiwillig 30 - wegen den Kindern". "Wegen der Kinder sollten die lieber die Grammatik auf ihren Schildern überprüfen", denke ich mir und beschleunige trotzig auf 60. (Aus dem Fundus)
  17. travis

    Damals und Heute

    Damals Vater durfte mit 17 für sein Vaterland in den Krieg ziehen. Es folgten Hungerjahre als Kriegsgefangener in Russland. Mutter, mit knapp 16 alleine auf der Flucht. Das Schicksal brachte sie nach dem Krieg zusammen. Acht Kinder, kleines Haus, großer Garten und jeden Tag genug zu tun. Mutters Arbeitstag: Wäschewaschen, Bügeln, Putzen, Kochen, Einkochen, Kinder versorgen usw. Hobbys, Handarbeit. Vater auch ständig nur am Schaffen. Hobbys? Keine. Fazit: glücklich. Geld, wenig. Stress, null und Ziegen, falls vorhanden, wurden gegessen. Kinder lernten alle einen anständigen Beruf. Keiner lag den Eltern noch mit 30 als Dauerstudent auf der Tasche. Opa wohnte mit im Haus. Er war der Einzige, der Butter aufs Brot bekam. Gefeiert wurde nur zu wirklich wichtigen Anlässen. Dann saßen die Frauen im Hof und rupften Hühner für den Festschmaus. Die Katze durfte Mäuse fangen und auch der Hund hatte eine sinnvolle Aufgabe. Im Fernsehen liefen nur drei Programme. Ein high Light, die Samstagabend Familienshow. Weihnachten gab es für jeden ein Geschenk und Selbstgestricktes. Die Freude war groß. Die meiste Zeit des Jahres verbrachte man als Kind draußen und hat seine Fantasie ausgelebt. Therapeut von Nöten – negativ. Besondere Attraktionen: Brauchte man nicht. Und Heute Zwei depressive Kinder, drei Hunde, eine Katze. Mutter will nicht zu kurz kommen, daher berufstätig. Vater, Informatiker. Eltern immer im Stress. Kinder nach der Schule noch zum Tanz,- Gesangsunterricht, Fußball, Karate und, zum Therapeuten. Jedes Kind hat sein eigenes Zimmer. Übervoll, weil Weihnachten immer Geschenke-Marathon ist. Um ihren Stress abzubauen geht Mutter mittwochs immer zum Yoga, neuerdings mit Ziegen und zur Lachtherapie. Ach ja, Vater und seine Ehrenämter – Mister Wichtig zu sein, ist heutzutage so wichtig - auch, wenn die Familie dabei zu kurz kommt. Jeden Donnerstag Frühschoppen. Sein liebstes Hobby ist das Grillen. Neuerdings hat er eine Outdoorküche mit allem schnick und schnack, um die Nachbarn zu beeindrucken, die er eigentlich gar nicht leiden kann. Zum gemeinschaftlichen Grillen gibt es immer viel, viel zu trinken, – man hat ja sonst nichts vom Leben und zum Lachen. Die wenige Freizeit, die noch bleibt, verbringt ein jeder für sich bei Netflix, am Handy oder am Laptop. Und Hin und wieder wird ein halbes Monatsgehalt an einem Tag im Freizeitpark verballert, –welch ein Spaß! In diesem Sommer gönnt man sich eine Kreuzfahrt auf einem riesigen Dampfer. Oma kommt dann aus dem Heim und darf im Keller wohnen, sie passt auf die Hunde auf. Damit es auf dem Schiff nicht langweilig wird, ist rund um die Uhr für Unterhaltung gesorgt. Als besondere Attraktion: Flüchtlingsbooten beim Kentern zu zusehen.
  18. Schmuddelkind

    Die Kriegsunversehrten

    Als die Kriegsunversehrten müde heimkehrten, empfing sie der General persönlich am Bahnhof und hielt eine Rede: "Kameraden, lasst den Kopf nicht hängen! Ihr habt keine Ader gelassen für das Vaterland. Aber ihr werdet eure Chance bekommen." (Aus dem Fundus)
  19. Stephan_sombra

    Das Klavier

    Ich spiele Klavier, dabei kann ich gar nicht Klavier spielen. Dennoch spiele ich gerne Klavier. Hier in meinen eigenen vier Wänden spiele ich ganz alleine Klavier. Ich spiele doch nur für dich auf dem Klavier. Du liebtest die ruhigen, reinen Töne des Klaviers. Jetzt liegst du da und sagst einfach nix zu diesem Klavier. Dabei habe ich dich doch extra hergeholt, damit du mir beim Klavier spielen zuhören kannst. Hörst du, dafür habe ich dich nicht geholt, damit du einfach daliegst, wenn ich Klavier spiele. Jedes Stück, das ich spiele, ist nur für dich. Stunde um Stunde habe ich dich ausgegraben, damit ich für dich wieder Klavier spielen kann. Du bist und bleibst ein dickköpfiges Mädchen, darum spiele ich für dich die ganze Nacht Klavier, ob du es willst oder nicht.
  20. Stephan_sombra

    Warnung

    Alle Menschen warnen mich, warnen mich vor dir. Du tätest mir nicht gut, wärst böse, wärst falsch. Doch was sie alle nicht sehen, das sehe ich. Du bist ehrlich, prächtig und wunderschön. Dich brauche ich. Ob sie es verstehen oder nicht. Du bist die, die ich liebe.
  21. Die freie Form der letreoischen Melda (ohne Ironie) Inspiriert von: @Melda-Sabine Fischer + Tasse, @Freiform, @Letreo71, und allen unbeschreiblich talentierten Autoren musischer Kommentare, die leider zu viele sind, um sie namentlich zu nennen. Die Unendliche Geschichte gibt es ja bereits. (*Notiz an Tagebuch: „Leider“ einfügen. Gewollte Wiederholung. Lass sie meckern.) Liebes Tagebuch: Gestern Abend besuchte ich einmal mehr dieses sagenumwobene Gedichtler-Forum. Du kennst es ja bereits. Es war einfach unglaublich. Überall standen bunt beschmückte Gedichtlerbände, die nicht von den Augen abließen. Wir lasen lustig bedrückende Zeilen, die manchmal sogar von den bekanntesten Dichtlern und Denklern unseres blau-grünen Wunderplaneten vorgetragen wurden. Im hier kaum noch erinnerlichen Fall, stammten die sehr beweglichen Zeilen, die den Lauf der Dinge unveränderlich beeinflusst hatten, von der herzerwärmenden, allumfassenden Letreo aus den überaus prachtfarbigen letreoischen Verblümelwiesen, was eigentlich kaum erwähnenswert ist, da man sie auch „Die Unvergessliche“ nennt. Zudem gilt letreoische Kunst als die traurig schönste aller geistesgegenwärtigen und verlassenen Welten. Man sagt, wer ein Verblümerl aus dieser ganz eigenen Welt betrachtet, verbrennt sich die Netzhaut aufgrund der verstrahlenden Schönheit. Ich hoffe, du glaubst mir, liebes Tagebuch. Zur Sicherheit hinterlasse ich ein Portal in die Vergangenheit, damit du deine eigenen Augen davon überzeugen kannst. Aufgrund der Gefahren, musste ich das Portal natürlich mehrschichtig verschüsseln. Um die Schüsseln zu entfernen, sprich etwas anderes, als "Freund", und tritt rein: Abklang (Süßer die Glocken nie klingen) + Kommentare in freister Form Eine der intellektuellsten und lustigsten Damen unserer wunschlos glücklichsten Kugel, befüllte gekonnt ihre weißtönerne Tasse mit zauberhaft schimmerndem Bärenwurz. Erst dachte ich, zu halluzinieren, auch, weil im besagten Wurz auf einmal ein verschwimmbares „F“ zu finden war, noch dazu ein großes, aber die Tasse bekam wirklich verzaubernde Augen, verlächelnde Lippen und eine Nase ohne Löcher. Ihr Gesicht bemalte sich auf weißem Ton, in verlieblich rötlichem Glanz. Die mir unwirklich erscheinende Tasse lächelte glücksverstrahlend in die Menge und sagte: „Vielen Dank liebe Melda, dass du mich zum Leben erweckt hast!“. Ich musste eine salzige Träne verschlucken, aber dank dieses Erlebens erfuhr ich wenigstens den humorvoll gefüllten Namen der magischen Melda. Sie scheint in jeglicher Hinsicht sehr begabt zu sein. Ich war sogar etwas neidisch, weil sie eine so tiefgründige Beziehung zu dieser entzückenden Tasse aufbauen konnte. Ich hoffe, du verzeihst, liebes Tagebuch... aber selbst das Lächeln der beiden spiegelte sich, sodass sie als Einheit verschmolzen schienen, daher ließen sich meine schlimmsten Gefühle beim besten Willen nicht kontrollieren. Unmöglich. Melda ist übrigens die einzige Magierin, die ich kenne, die sogar mit Mundwinkeln nach unten sehr laut grinsen kann. Ich denke, sie hatte erkannt, dass ich etwas neidisch war. Sie nahm sich ein Herz, woraufhin sich meine zweite Träne verschluckte, und reichte ihre Grinsetasse wohlwollend in die zunehmend verdichtelnde Runde. Ich freute mich riesig, doch leider stand ich etwas abseits, was die Steigerung der Vorfreude jedoch nicht verebben ließ. Ein Leuchten entsprang meinen ungläublichen Augen, als diese erblicken sollten, welch erstaunliche Wirkung die Kombination aus bedrückend letreoischen Zeilen und magisch schimmerndem Bärenfurz (*Notiz: Schreibrechtfehler verheben) entfalten konnte. Musen in Feengestalt entstiegen von schleierhaft prächtigen Farben umhüllt, der grinsenden Glücklichtasse, und verzauberten ihre fröhlichen Trinker. Manchmal konnten die Verzauberten gar nicht genug bekommen, aber Melda hatte, weise wie sie ist, natürlich vorgesorgt. Zusätzlich zum ansteckenden Grinsen, verschenkte sie ihrem fabelhaften Wesen natürlich die Bodenlosigkeit. So war es allen Verdichtlern möglich, unendlich viel Schimmerwurz zu trinken. Ähnlich wie die Quelle des Lebens, gilt diese als unmöglich erscheinende Tasse, seit ihrer Entstehung, als wahre und einzige Quelle der Inspiration. Die Wesen, die genussvoll bärenverwurzelt aus ihr schöpfen dürfen, nennt man seither auch "Die Betrinkler" (*nicht zu verwechseln mit "Bepinklern" und "Verpinklern"). Der Name erhält übrigens nur seine Gültigkeit, während aus der Tasse geschlürft wird. Nachdem geschlürft wurde, verwechselt er sich zu "Die Betrunklenen". Wer zu viel des Guten erwischt, bekommt eine ansteckend rote Verfärbung, und gilt irgendwann als verglüht. Einer von ihnen, den ich nicht genauer erkennen konnte, weil seine gestaltende Form sehr frei war, wurde als Betrunklener von überaus vielen musischen Feen umkreist. Sie hüllten ihn in bunten Zauberstaub, woraufhin er jede erdenklich bedrückende letreoische Zeile verinnerlichte, um sie mit metallischen Klängen zu bereichern. Ich hielt es für unmöglich, diese Zeilen noch klangvoller zu gestalten, aber ich spreche die Wahrheit, liebes Tagebuch, ich spreche die Wahrheit. Bei genauerer Betrachtung bemerkte ich, dass bei zu überstürzter und ausgiebiger Einnahme des magischen Bärenwurzes diverse geistige Ergüsse unkontrollierbar erschienen. Dem mittlerweile etwas zu geistreichen Vertonler übermannte die schiere Gewalt der Unerschöpflichkeit. Ein lautes Gröhlen entwich seinen überaus dehnbaren Stimmbändern, woraufhin ich einen verdutzten Schritt zurückweichen musste. Nach einiger Zeit hatte er die neu gewonnene Begabung unter Kontrolle. Er vermischte seine natürlichste Stimmgewalt mit jedem nur vorstellbaren Ton der metallischen Verformbarkeit, und als ob das noch nicht genug gewesen wäre, schenkten ihm die musischen Feen zu all seiner Unfehlbarkeit noch magische Bilder. Auch diese vermischte er mit all dem unglaublich Beschriebenen. Bereits angehend verglüht, genehmigte er sich noch zwei Schlückchen aus der von allen geliebten Tasse, und bestieg betrunklen die wohl bekannteste Verdichtlerbühne der allumfassend verdichtelnden Welt, um stolzerfüllt und mit erhobener Brust sein neuestes Werk zu präsentieren. Als die unfassbar begabten Betrunklenen und Dichtler ihre kritischen Ohren mit dem von Inspiration nur so strotzendem Erguß von Metall und urpsrünglich melodischem Gebrüll gefüllt hatten, gab es kein Halten mehr. Ein gemeinschaftlicher Urschrei erschütterte das heute noch moschende und applaudierende Publikum. Es war unglaublich, liebes Tagebuch… einfach unglaublich, daher fehlen mir die besser beschreibbaren Worte, um dir alles in seiner Umfänglichkeit mitzuteilen. Leider viel der Schöpfer des scheinbar unbeschreiblichsten Werkes nach einigen Stunden der ausgetobten Wildheit einfach um, und schlief ein. Endlich fand die Grinsetasse ihren Weg zum nächsten Betrinkler. Meine Vorfreude war kaum noch zu bändigen. Als meine Adern vor Freude pulsierten, erkannte ich, dass die unglaublichste Melda mit ihrem unverkennbaren Genie natürlich auch bezüglich der vollständigsten Verglühung vorgesorgt hatte. Sie hatte einfach alles bedacht. Wer zu tief in die mächtigste Grinsetasse blickt, verfällt der Unbändigkeit und kann den Verstand verlieren. Wie erwähnt ist Melda unumstritten eine sehr zerfühlende Magierin, daher schenkt sie zwar Einblicke in die Unvergänglichkeit der Epochen aller Doppelherzwelten, allerdings verfällt man einem sehr tiefen Schlummerschlaf, wenn man zu viel des musenbeschwörenden Bärenwurzes aus der mittlerweile sagenumwobenen Grinsetasse schlürft. Schlummerschafe sind übrigens regenbogenfarben, und nicht nicht sehr tief. Wenn man ihren springenden Bögen folgt, führen sie hin, zum Schlummerschlaf, der angeblich wahres Gold wert ist. Die erschaffenen Kunstwerke schließlich, werden von verschiedensten Musen durch die Zeit getragen, damit ihr Zauber nicht völlig umsonst war. Daher schweben die Klänge des wahrhaft unbestreitbar schönsten Urzeitgebrülls bis heute als farbumwebende Hintergrundverstrahlung durch alle sich nur vorstellbaren Welten. Ja, ich weiß... meine Bewunderung für die "kleine Hexe", die letreoanischen Zeilen und den fast verglühten Inspirationsbetrunkelnen steigen schier ins Unermessliche, aber das allumfassende Gedichtlerforum war einfach so mitreißend, dass ich alles verwundlern musste. Und wegen Zauberei ist man am Ende sowieso ohnmächtig. Sei bitte nicht eifersüchtig, liebes Tagebuch. Ich habe dich mindestens genauso lieb, wenn nicht sogar immer einmal mehr. Bitte halte diese Notiz immer einmal fester, als ich dich: *Fortsetzung: Vielleicht. Kenn mich noch nicht mehr so aus mit Geschichtlern. Falls ein magischer Tritt in den Hintern verzaubert wird, sowieso nicht. Die Tasse ist auch nicht mehr hier… nur noch Hintergrundlauschen in leiser Verendlichkeit. ----- Danke auch an @Joshua Coan, da wegen ihm noch rote Opas auf Feuerstühlen durch mein geistiges Vakuum fliegen, die den Weg zu ihrer Erwähnung leider noch nicht fanden.
  22. Carlos

    Wahlmänner

    Die jetzige Situation in den USA zeigt, wie schlimm es sein kann, wenn ein ungeeigneter Mensch Präsident wird und automatisch über eine unheimliche Macht verfügt. Das Wahlsystem dieses Landes kommt uns seltsam vor. Ist es auch, vielleicht. Millionen wählen, aber letztendlich nur 270 entscheiden wer der Gewinner ist. Nun, wenn man dieses System nicht am Schluss sondern gleich am Anfang anwenden würde, wäre es nicht sinnvoller? Jeder der 50 Staaten wählt die zwei Besten. Diese 100 Anwärter auf die Präsidentschaft kommen dann zusammen und, ohne Kontakt mit der Außenwelt wählen so lange, bis einer von ihnen eine Mehrheit der Stimmen erreicht hat. Die Wahl des Vizepräsidenten kann man dem Zufall überlassen.
  23. Carlos

    Warum?

    Warum treten Zeugen Jehovas immer zu zweit auf? Sie hätten mehr Erfolg, wenn sie alleine kommen würden. Ich würde jederzeit meine Tür öffnen, wenn eine Frau bei mir klingeln würde um meine Seele zu retten. Ich bin sicher, aus ihrem Mund würden Jesus Worte direkt in mein Herz dringen. Nur pro forma würde ich ab und an "aber" sagen, oder "und wie erklärt man sich,dass?". Ein kleines Dilemma könnte in ihrem Herzen entstehen, ja, ein kleiner Zweifel: Ist das Wort Gottes, was diese prompte Bekehrung verursacht oder ist es ihre Schönheit? Ich würde ihr sagen, ich muss noch in mich gehen und mich auf ihren nächsten Besuch freuen. Sie darf jederzeit, auch mitten in der Nacht, bei mir klingeln.
  24. Carlos

    Eine Begegnung

    Ich lief zur Bushaltestelle. Dort saß ein Mann auf einem der drei Plätze, genau in der Mitte, sodass man keine Lust bekam, sich dazuzusetzen. Er sah, dass ich alt und gebrechlich aussehe, blieb aber unbeweglich da, wo er war. Der Bus hatte Verspätung. Als er endlich kam, setzte ich meine Maske auf und stieg ein. Der Mann stieg direkt hinter mir her, setzte sich links, auf den Sitz hinter dem Busfahrer. Gleich an der nächsten Haltestelle stieg er schon aus. Als er draußen war, drehte er sich um und sagte zu dem Busfahrer, einen dunkelhäutigen: "Es gibt jetzt viele Schwarzfahrer". "Wie?" -muss der Fahrer gefragt haben, denn der Mann fügte hinzu: "Ja, viele die nicht bezahlen!" Die Existenz solcher Menschen ist etwas, dass mir ein Leben nach dem Tod als nicht begehrenswert erscheinen lässt. Denn auch sie würden Licht am Ende des Tunnels sehen, oder?
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