Hallo Legolas!
Man merkt durchaus, dass Du dich versucht hast, in das Gefühl
Zwang hineinzuleben. Allerdings hakt es noch an vielen Ecken und Enden. Das uneinheitliche Metrum (das gerade beim Thema Zwang doch schön gewesen wäre) lasse ich dabei beiseite.
Wenn ich den Titel lese und dann
Du bist mein und voller Pracht
so denke ich, die Ansprache
Du bezieht sich auf den Zwang. Soweit gut. Auch "Du bist mein", denn das ist ja so. Doch "voller Pracht"? Warum?
Dann:
verlogen übst du deine Macht
Der Zwang übt seine Macht? Oder meinst Du, er übt sie aus? Bei erster Variante bleibt die Frage, ob es wirklich so eine glückliche Wendung ist, ihn Macht üben zu lassen, so wie etwa Gesang. Bei zweiter Variante fehlt ein Wort, nämlich
aus.
Weiter:
Mein ganzes Leben bleibst du dort
Wo bleibt er? Also: wo ist dort? Es gibt keinen früheren und auch keinen späteren Bezug.
Dort liegt einfach luftleer im Raum.
Darauf baut dann auf:
es fällt mir schwer dich so zu lenken
Ich habe "so" markiert, weil auch das keinen Bezug hat. Das heißt alles: Der Zwang ist dort (irgendwo), und weil er dort ist, fällt es schwer, ihn zu lenken. Da man aber schon nicht weiß, wo
dort ist, weiß man auch nicht, wieso es schwer ist, ihn
so zu lenken.
Die letzte Strophe ist da in sich wesentlich klarer und schlüssiger, passend. Man könnte dort allein noch an der Wortstellung, an der inneren Magie ein bisschen drehen, damit folgender Vers nicht so allein und für sich steht:
Einmal Schweigen, ganz im Stillen
Ich verstehe, was Du hier sagen willst, meine damit also nicht, der Vers müsse weg. Bloß die Strophe ließe sich anders gestalten, um sie in sich harmonischer und geschlossener zu präsentieren.
Alles davor ist mindestens überdenkenswert und es würde sich eine schärfere Herausarbeitung lohnen.
LG
Beteigeuze