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Zwang

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Zwang
 
Du bist mein und voller Pracht
mal gütig, schlau und strahlst vor Kraft
mal böse, grausam, geisterhaft
verlogen übst du deine Macht
 
Mein ganzes Leben bleibst du dort
es fällt mir schwer dich so zu lenken
hör jeden Satz und jedes Wort
seit ich begann zu denken
 
Einmal Schweigen, ganz im Stillen
ich würd' so vieles geben
um nur nach meinem Willen
an diesem einen Tag zu leben
 
Hallo Legolas!
 
Man merkt durchaus, dass Du dich versucht hast, in das Gefühl Zwang hineinzuleben. Allerdings hakt es noch an vielen Ecken und Enden. Das uneinheitliche Metrum (das gerade beim Thema Zwang doch schön gewesen wäre) lasse ich dabei beiseite.
 
Wenn ich den Titel lese und dann
 
Du bist mein und voller Pracht
 
so denke ich, die Ansprache Du bezieht sich auf den Zwang. Soweit gut. Auch "Du bist mein", denn das ist ja so. Doch "voller Pracht"? Warum?
 
Dann:
 
verlogen übst du deine Macht
 
Der Zwang übt seine Macht? Oder meinst Du, er übt sie aus? Bei erster Variante bleibt die Frage, ob es wirklich so eine glückliche Wendung ist, ihn Macht üben zu lassen, so wie etwa Gesang. Bei zweiter Variante fehlt ein Wort, nämlich aus.
 
Weiter:
 
Mein ganzes Leben bleibst du dort
 
Wo bleibt er? Also: wo ist dort? Es gibt keinen früheren und auch keinen späteren Bezug. Dort liegt einfach luftleer im Raum.
 
Darauf baut dann auf:
 
es fällt mir schwer dich so zu lenken
 
Ich habe "so" markiert, weil auch das keinen Bezug hat. Das heißt alles: Der Zwang ist dort (irgendwo), und weil er dort ist, fällt es schwer, ihn zu lenken. Da man aber schon nicht weiß, wo dort ist, weiß man auch nicht, wieso es schwer ist, ihn so zu lenken.
 
Die letzte Strophe ist da in sich wesentlich klarer und schlüssiger, passend. Man könnte dort allein noch an der Wortstellung, an der inneren Magie ein bisschen drehen, damit folgender Vers nicht so allein und für sich steht:
 
Einmal Schweigen, ganz im Stillen
 
Ich verstehe, was Du hier sagen willst, meine damit also nicht, der Vers müsse weg. Bloß die Strophe ließe sich anders gestalten, um sie in sich harmonischer und geschlossener zu präsentieren.
 
Alles davor ist mindestens überdenkenswert und es würde sich eine schärfere Herausarbeitung lohnen.
 
LG
 
Beteigeuze
 
Hallo Beteigeuze
 
zunächst möchte ich dir für deine Kritik danken und deine ausführliche Hilfestellung.
 
Das lyrische Du, ist (anders als ein Freund von mir dachte, er meinte nämlich ich spreche von meinem Penis) das Bewusstsein.
 
Eben die größte Gabe die wir Menschen haben.
 
Es ist prächtig und eben "schlau", aber es bringt auch viel Leid mit sich - da man in der Lage ist alles zu reflektieren.
 
Es wird mein ganzes Leben immer da sein. Aber eben nur "dort" - an einer völlig undefinierbaren Stelle. Es fällt "so" schwer es zu lenken, eben weil wir nicht einmal wissen, woher unsere Gedanken, unser Empfinden und unsere Gefühle kommen.
 
An die jüngsten Tage seines "daseins" kann man sich nicht mehr erinnern, aber es gibt diesen Punkt im Leben, wo einem das Leben und Geschehenes dauerhaft im Gedächtnis bleibt.
 
Mit der letzten Strophe wollte ich einen der ältesten Wünsche der Menschheit aufgreifen: wie ein Sprichwort so schön sagt, "lebe als wäre es dein letzter Tag". Nur im hier und jetzt, ohne zu reflektieren was geschieht, oder welche Konsequenzen ein Tun, Dulden oder Unterlassen hat.
 
Frei von Ängsten und dem Zwang, unter dem wir Menschen, aus eigenem Verschulden, leben.
 
 
Es würde mich sehr freuen, weitere Meinungen zu hören. Auch gerne zur Metrik, ich kenne mich damit leider nicht aus und ich bin stetig bemüht den Rythmus meiner Gedichte zu verbessern.
 
Bis dahin, vielen dank!
 
ps: darfst dir gerne auch mein anderes Gedicht anschauen: http://www.dichter-forum.de/ons-vt8641.html würde mich freuen
:wink:
 
Also, ich gehe immer vom Text an sich aus, daher wäre ich z.B. nicht auf einen Penis gekommen :mrgreen:
 
Deshalb sehe ich den Titel und dann die Ansprache "Du". Wenn Du das Bewusstsein meinst, sollte das irgendwie schlüssiger sein. Ob das Bewusstsein die Eigenschaft der Schläue hat, wäre zumindest überlegenswert, erfordert aber eine philosophische Diskussion, die jetzt und hier nicht sein muss.
 
Die anderen Punkte (dort, so etc.) bleiben allerdings auch so bestehen, weil sie zueinander und besonders zum Thema keinen Bezug aus den geschriebenen Worten haben. Egal, wie hermetisch ein Gedicht auch ist, dies sollte schon gegeben sein.
 
Jetzt, wo Du sagst, dass Du am Metrum interessiert bist, liefere ich das natürlich nach:
 
x = Senkung bzw. unbetonte Silbe
X = Hebung bzw. betonte Silbe
 
Strophe 1
XxXxXxX – 4-hebiger Trochäus, männliche Kadenz; Reim a
xXxXxXxX – 4-hebiger Jambus, männliche Kadenz; Reim b (wobei es auch als Assonanz zu Reim a steht)
xXxXxXxX – 4-hebiger Jambus, männliche Kadenz; Reim b (siehe Vers 2)
xXxXxXxX – 4-hebiger Jambus, männliche Kadenz; Reim a
 
Hier verwendest Du einen umarmenden Reim; oder aber man denkt sich statt zweier Reimpaare die Assonanzen als gleichen Reim.
 
Strophe 2
xXxXxXxX – 4-hebiger Jambus, männliche Kadenz; Reim a
xXxXxXxXx – 4-hebiger Jambus, weibliche Kadenz; Reim b
xXxXxXxX – 4-hebiger Jambus, männliche Kadenz; Reim a
xXxXxXx – 3-hebiger Jambus, weibliche Kadenz; Reim b
 
Hier verwendest Du den Kreuzreim.
 
Strophe 3
XxXxXxXx – 4-hebiger Trochäus, weibliche Kadenz; Reim a
xXxXxXx – 3-hebiger Jambus, weibliche Kadenz; Reim b
xXxXxXx – 3-hebiger Jambus, weibliche Kadenz; Reim a
xXxXxXxXx – 4-hebiger Jambus, weibliche Kadenz; Reim b
 
Hier verwendest Du ebenfalls den Kreuzreim.
 
Du siehst, die rhythmischen Muster sowie die Kadenzmuster sind uneinheitlich.
 
Das Austüfteln in diesen Dingen wird schon, das ging und geht jedem so, der Gedichte schreibt 🙂
 
LG
 
Beteigeuze
 
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