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Theaterfrust


Melda-Sabine Fischer

Theaterfrust

 

Flugs ins Theater läuft Herr Schmitz,
er hat dort einen Abo-Sitz.
Drum sitzt er wieder im Theater
man gibt dort heute „Göttervater“.

 

Von Dramen ist Schmitz meist genervt,
doch was die Lage noch verschärft:
Es sitzt der Zeus in Unterhosen
auf einem Berg Konservendosen.

 

„Es ist unmöglich dieses Drama,
ich weiß auch nicht, warum ein Lama
auf der Theaterbühne steht,
ich hoffe sehr, dass es gleich geht! 

 

Das Tier ist nicht des Pudels Kern,
ich mag es klassisch, nicht modern!
Der Regisseur spinnt meist enorm,
gibt er dem Stück ´ne neue Form.“

 

Das Stück scheint wirklich sehr modern,
dies hat Herr Schmitz nicht wirklich gern.
Drum geht er auch schon vor der Pause
recht strammen Schrittes flugs nach Hause.

 

Nicht anders ging es jüngst Herrn Prell,
man gab am Abend „Wilhelm Tell“.
Das Werk von Schiller, es hat Stil,
der erste Rang war Prellens Ziel.

 

Zum dritten Mal hat es geläutet,
was im Theater wohl bedeutet,
die Mimen treten bald hervor
und spielen Prell jetzt etwas vor.

 

Das Licht erlischt, man hört nur Munkeln:
„Die Künstler spielen wohl im Dunkeln!?“
Der Vorhang hebt sich, es wird grell,
dort steht mitnichten "Wilhelm Tell".

 

„Der Tell hat leider Magen-Darm!“,
spricht eine Dame mit viel Charme.
„Beim Spielplan hat man schon gehandelt
und es in „Wallenstein“ gewandelt.

 

Das Stück reizt Prellens Gallenstein,
er hasst doch Schillers „Wallenstein“!
„Aida“ wäre im jetzt lieber,
die ist ein anderes Kaliber.

 

Drum wechselt er ins Opernhaus,
doch spielt man „Salome“ von Strauss.
Die Handlung scheint Herrn Prell nicht stimmig,
der Inhalt ist ihm viel zu grimmig.

 

Man köpft mit Wollust einen Kopf
(Prell packt entsetzt sich an den Schopf),
der dem Johannes einst gehörte,
worauf der sich nicht mal beschwerte.

 

Noch neulich gab man „Die Walküre“
und Prell hofft, dass er Kunst erspüre.
So saß mit Spannung er im Rang,
der Vorhang hebt sich, ihm wird bang.

 

Denn schon im Ersten Akt mit Krach
das Bühnenbild zusammenbrach.
Die Burg Walhall sie war zerfetzt
und Wotan wurde schwer verletzt.

 

Auch die Musik war viel zu trist,
das Harfe-Spiel war großer Mist.
Die Harfenistin, Silke Langen,
hat sich im Harfe-Draht verfangen.

 

Derweil Herr Schmitz zu Hause weilt,
hat so Herrn Prell der Frust ereilt.
Ob „Salome“, ob „Göttervater“,
nie wieder geht man ins Theater.

Platzierung

4.

Stimmen

6

Aufrufe

558

Kommentare

9

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9 Kommentare


Liebe Melda- Sabine,  Gratulieren zum 4. Platz. Habe meine Stimme für "Theaterfrust" mit Bauchkrümenden, Herzhaften lachen abgegeben. Wie einfallsreich deine Werke sind!  Liebe Grüsse, Donna

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Nun bei so viel Theater würde mir auch ein Theaterbesuch vergehen. Aber ich saß im Theater und habe mich über deine Einfälle gefreut und sage Danke für so einen Genuss.

Liebe Grüße Ilona 

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Liebe Melda-Sabine,

herzlichen Glückwunsch zu diesem wie immer tollen Gedicht. Deine heitere Beschreibung hat mir wieder sehr gut getan zu lesen und ich danke dir für die frohen Lesezeiten die du mir auch diesmal wieder beschert hast! Hatte dein Gedicht auch weiter vorne gesehen. Aber das Podest ums Treppchen ist auch ein sonniger Platz ?

 

Liebe Grüße 

Sali

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Nun liebe Melda-Sabine,

 

meine Stimme hattest du jedenfalls, du bist einfach einzigartig und auch deine Texte sind sofort zuordenbar!

Vertrefflich gemacht!

 

Liebe Grüße, Uschi

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Hi Melda- Sabine ,

 

na das war vielleicht knapp! Um einen Punkt wäre dein Werk auf den Treppchen gelandet. Will heißen, wenn maerC oder Joshua nur eine Punkt mehr hätten, gäbe es zwei erste oder zwei zweite Platzierungen und der Block Nr. vier hätte komplett auf Bronzetreppchen stiegen müssen...

 

Aber zum Glück blieben uns die Stehplätze erspart und wir dürfen das Theater aus der ersten Reihe im Sitzen begutachten?:smile:.

 

Meine schrägster Theaterbesuch war eine Inszenierung war Nathan der Weise...

 

Nathan, ganz Geschäftsmann, legt einen Trommelrevolver auf den Tisch und beginnt die New York Times zu lesen als er von der Reise heim kam. Der Klosterbruder erscheint immer auf einem rosa Damenrad.... Nathan der Weise als Trashwestern... Jedoch ohne Vorwarnung... Das ist, als ob dir jemand den heißen Tee mit heißer Cola vertauscht. Im Nachhinein lustig – aber in der Situation selbst echt zum kotzen...

 

Und kurz darauf folgt eine Inszenierung vom Sommernachtstraum... Das einzige Bühnenbild ist ein Autofriedhof und alle die die Bühne betreten tragen schwarze Ledermäntel über schwarzen Klamotten. Damals musste ich ununterbrochen an die Grauen Männer von Momo denken. Heute eher an Matrix...

 

Die lustigste Szene hingegen war eine Freiluftaufführung vom Urfaust. Mephisto betritt um Punkt 18:00 Uhr die Bühne und direkt mit ihm setzt das Abendgeläut der angrenzenden Burgkirche ein. Es war nicht ein Wort zu verstehen, und so musste er brav waren, bist dir Kirche ihm wieder das Wort ließ. (Der Schauspieler hat toll reagiert – und noch das ganze Stück lang Verse aus dem Stegreif verändert, um über dies Frechheit zu klagen. Und immer wieder drohte er dem Kirchturm mit seiner Faust – oder war es seine Urfaust???...)

 

Mir hat dein Gedicht sehr gut gefallen. Und ich musste hier und da wissend nicken und grinsen.

 

Liebe Grüße

 

vom Gaukel

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