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Vom Klang der Pampelmuse


Empfohlene Beiträge

Heiser dröhnt dein Wort und
gelb vor Neid und frommer Gier
verströmst du Gift und speichelst
tausend Lügen.


Was frommt es dir, das falsche 
Spiel auf der Posaune. Die alten  
Mauern halten stand. Entweicht
doch nur das kreischend hohe
Ich und nochmal Ich.


Magst taktlos auch die Trommel
schlagen. Gespannter Häute Weh-
geschrei und Ach erfüll'n sogleich
den Raum. Ist doch nur kindisch 
Lamentieren, sagst du, und einerlei.


Du bist allein, dem feines Leben
ziemt. "Ego me absolvo." Amen.
Die andren mögen frei und wild
in deinem Schatten kauernd darben 
und lichtlos vegetieren.


Getragen wirst du und, ja, auch
erhoben, vom blinden Heer das
angsterfüllt und starr sich an
den toten Ast der Tugend und der 
Werte krallt. War immer so. 


War immer so. Und chronisch 
altersschwach, entzündlich, 
aufs Neue hassgetränkte Wert- 
verwerfungen gebiert hinein
ins Flammenmeer. 


Da baumeln sie an ewig neuen
Träumen, die gestern schon brutal
und zynisch waren. Ihr Shangri-La
der Heldentod in Stiefeln 


mit Blick aufs Bärenfell dort 
oben über dem Kamin. So
lauschen sie verklärt und voll 
Verzückung dem dröhnend' Erz -
der hohlen Pampelmuse.


 


Überarbeitet: von Berthold

Titel eingedampft
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Lieber @Berthold - auch wenn ich dem Sinn nicht ganz folgen kann, so verzaubert mich diese Sprache, diese Wortfolgen, die sich fast von alleine zur nächsten Zeilen tragen und mir ein Gefühl von vertrautem Terrain schenken.  Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du mir eine Erklärung dazu abgeben könntest.

LG Sonja

PS: Nachdem ich diese Zeilen nun immer wieder gelesen habe, um dem Sinn nachzugehen,  den Kommentaren gefolgt bin und mir die Kategorie "Pamphlet" einen Weg gezeigt hat, wird mir der Inhalt bzw. die Groteske dieses trotz allem schönen Gedichtes offenbar. Egomanie, die sich auf die unantastbare Integrität eines Despoten stützt, selbst wenn daneben die Welt untergeht. Von dir in unglaublich für mich fließend zu lesenden Zeilen ins Licht gerückt und angeprangert. Oder auch nur beschrieben. Ein Werk, dem man sich widmen muss, um es zu begreifen.


Überarbeitet: von Sonja Pistracher
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Salve Berthold!

 

Hier sehe ich ein Gedicht, bei dem zu verweilen es sich lohnt, auch wenn der Versuch, es zu enträtseln, mehr als wahrscheinlich scheitern wird.

Wie klingt eine leere Pampelmuse?

Ich vermute, du hast diese pompös aussehende Frucht als Symbol der Eitelkeit ausgewählt, und noch dazu leer!

Es wäre wirklich interessant zu wissen, wen du in der ersten Strophe so scharf anprangerst. Wen oder was.

Neid und Gier... "fromme Gier" mutet religiös an.

Nun, dieses "Ding", voller Neid und frommer Gier verströmt Gift und Lügen... Das heißt, das unheimliche Ding versucht, etwas zu disqualifizieren, zu vernichten. Was?

In der zweiten Strophe wird klar auf die biblische Erzählung von den Mauern von Jericho, die die Israeliten durch Spielen an Posaunen zum Einsturz brachten, Bezug genommen.

Nun, dieses "Ding" kann mit seinem falschen Posaunen Spiel alte Mauern nicht abreißen. Dies lässt mich an die deutsche Redensart "jemand ist den Durchbruch gelungen" denken. Es scheint eine unsichtbare Mauer da zu sein, welche jemand durchbrechen muss um als erfolgreich akzeptiert zu werden. 

Unserem "Ding" im Gedicht gelingt es nicht, die Mauern halten stand vor einem "kreischend hohe Ich und nochmal Ich"...

Wir scheinen hier also mit einem eitlen, egoistischen, leeren "Ding" zu tun.

Doch mit Trump?

Also, er hätte das Gedicht nicht verstanden!

 

 


Überarbeitet: von Carlos
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Nur mal so am Rande bemerkt!

Trump ist nicht gebildet, doch schlau!

Sonst wäre er nicht US-Präsident geworden!

Mit Zahlen scheint er sich auszukennen, damit ist er sehr reich geworden.

 

skrupellos provokant plump ist er zudem!

 

Alles eine Frage der Betrachtungsweise!

Natürlich bin ich sehr froh, das er nicht mehr im Amt ist!

 

Anmerkung:

Seine Tochter hätte ihm das Gedicht schon erklärt!😉

 


Überarbeitet: von Josina
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Meine Lieben,


es freut mich, dass ihr vorbeigeschaut habt, um euch meine Schimpftiraden
geduldig anzuhören. Das nächste Pamphlet schreibe ich erst in fünfzig Jahren,
versprochen. - Herzlichen Dank fürs Auseinandersetzen mit meinen Gedanken und
eure spannenden Kommentare. ☺️


LG, Berthold


***********************************


Sonja,
meine knappen und bildhaften Verse sind nicht einfach zu lesen. Umso mehr freut
es mich, dass du dich trotzdem auf sie eingelassen hast.
Deine Gedanken und Erläuterungen zu meinem Gedicht sind stimmig. Erklärungen
brauche ich nunmehr nicht abzugeben, du hast es ja bereits erfolgreich getan.
Trotzdem dieses Gedicht auf Reime verzichtet, habe ich versucht, ihm einen
gewissen Rhythmus zu geben, der das Lesen erleichtert bzw. den Lesefluss
vorantreibt. Dass du diesen Rhythmus entdeckt und gewürdigt hast, freut mich
besonders.
🌻

************************************

Sternwanderer,
da hast du natürlich recht. Dieses Gedicht handelt von einem arg ichbezogenen
Menschen, der sich selbst als Nabel der Welt begreift.
🌻

************************************

Josina,
an wen genau ich beim Schreiben dieses Gedichtes gedacht habe, wollte ich
ursprünglich gar nicht so genau sagen. Du aber hast den Nagel auf den Kopf
getroffen. Da bleibt mir nur mehr übrig, es dir zu bestätigen.  :wink:
🌻

************************************

Carlos,
deine Gedanken zur 'Pampelmuse' sind trefflich und treffend.
Auch deine Überlegungen zur Mauer, die nicht einstürzen will, gefallen mir sehr.
Der Bezug zu besagter Bibelstelle liegt nahe. Nur, dass sich in diesem Fall
hinter den Mauern geschützt, nicht die altehrwürdige Stadt Jericho befindet,
sondern die Wahrheit, ein freiheitliches, pluralistisches Wertesystem, das Wesen
der Demokratie etc. 
Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, mein Gedicht so kurzweilig und
stimmig zu reflektieren.
🚒

************************************

@Melda-Sabine Fischer
@Josina
@Sternwanderer
@Kurt Knecht
@Carlos
@avalo
@Sonja Pistracher
@Gina
@corvus
@Letreo71

:attention:
- Dankeschön fürs Mögen! -


Überarbeitet: von Berthold
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Nun wurde schon so ziemlich alles gesagt, lieber Berhold. Dennoch möchte ich dir mein Erstaunen über deinen Text nicht vorenthalten. Der Klang und die Wortwahl sind überzeugend, raffiniert und schörkellos direkt!

 

Sehr gern gelesen und hineingehorcht.

 

Lieben Gruß, Letreo


Überarbeitet: von Letreo71
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Liebe Letreo,
 

vor 18 Stunden schrieb Letreo71:

möchte ich dir mein Erstaunen über deinen Text nicht vorenthalten

Ich war auch ein wenig überrascht von dem, was ich hier geschrieben habe. Im Grunde ist dieses Herumpoltern nicht meine  Welt. Ich will aber auch gestehen, dass es ein großes Vergnügen war, mal so richtig die S... rauszulassen. :wink:
 

 

vor 18 Stunden schrieb Letreo71:

Der Klang und die Wortwahl sind überzeugend, raffiniert und schörkellos direkt!

Wenn dich Sprache und Wortwahl überzeugen, so freut mich das. Eine Weile habe ich schon herumgebastelt, bis der Text, so wie er nun steht, geschrieben war. - Lediglich den Titel habe ich gerade eben nochmal reduziert. 

Danke für deinen Besuch und den schönen Kommentar.
🌻
LG, Berthold 
 

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